Vor einigen Wochen wurde, mit Beiträgen von Anabel Schunke, Zita Tipold und Vincent Steinkohl, auf JF-Online eine rege Diskussion über das Verhältnis zwischen Männern und Frauen in der Gegenwart geführt und über das Bild vom anderen Geschlecht, das dem so lange bewährten Miteinander heute oft im Weg steht. „Der Teufel trägt Prada 2“ von David Frankel ist so etwas wie ein weiterer Debattenbeitrag zu diesem Thema. Die Komödie aus der Welt der Mode und Models stellt Männer dorthin, wo sie nach Ansicht bestimmter tonangebender Kreise gehören: an den Rand.
Wenn sie was zu sagen haben, dann weil die starken Frauen dieses Films, Meryl Streep, Anne Hathaway und Emily Blunt, es wollen. Sie stupsen sie an, befördern oder umgarnen sie. Und da, wo Männer, allein kraft ihres Vermögens, immer noch das Sagen haben, da müssen sie sich auf was gefasst machen.
Damit ist der Inhalt dieser Nachziehnummer zum Erfolgsfilm „Der Teufel trägt Prada“ von 2006 im wesentlichen bereits wiedergegeben. Es fehlen noch die Figuren zu den Schauspielern: Anne Hathaway verkörpert erneut die ambitionierte Journalistin Andrea „Andy“ Sachs, die in den Dienst von Miranda Priestly (Meryl Streep), der Chefredakteurin des Modemagazins Runway, tritt, welches Kenner unschwer als fiktionalisierte Vogue identifizieren. War Andy damals eine junge Nachwuchskraft, die als Assistentin der Übermutter der Zeitschrift kräftig Lehrgeld zahlen musste, wird sie in der zwanzig Jahre später spielenden Fortsetzung als arrivierte Journalistin hinter Mirandas Rücken von Runway-Herausgeber Irv Ravitz (Tibor Feldman) angeworben.
Es geht um Mode, Macht und Stars
Als Andy, nach einer kapitalistischen Rationalisierungsmaßnahme bei ihrem vormaligen Brötchengeber arbeitslos geworden, sich, euphorisiert durch das unverhoffte Wiedersehen, bei der alten und neuen Chefin im Büro vorstellt, erkennt diese sie nicht mal wieder. Ein erster großer Lacher für das mit dem ersten Film vertraute Publikum, den vor allem der von Meryl Streep hinreißend zur Schau gestellte Snobismus der Modewelt-Zarin zum Kassenknüller machte, inklusive Oscar-Nominierung für die Hollywood-Ikone. In der Fortsetzung knüpft sie souverän an ihre damalige Interpretation der Rolle an und verleiht dem Film divenhaften Glanz.
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Nicht nur Andys Ex-Arbeitgeber, das Vanguard-Magazin, steht unter wirtschaftlichem Druck, auch Runway. Darum führt eine erste Dienstreise Miranda und Andy zum wichtigen Anzeigenkunden Dior, den ausgerechnet Andys ehemalige Kollegin Emily (Emily Blunt) führt. Die kostet ihre Macht nach Herzenslust aus und setzt eine für Dior günstige PR-Berichterstattung durch, womit sie sich bei passender Gelegenheit einen von Mirandas gefürchteten Ohrfeigen-Einzeilern einhandelt: „Du bist keine Visionärin, du bist eine Verkäuferin!“
Andys ehrgeiziges Ziel ist immer noch das gleiche wie damals als Anfängerin. Sie will ihre eitle Chefin beeindrucken. Deswegen lehnt sie sich weit aus dem Fenster und stellt ihrem neuen Arbeitgeber ein Exklusiv-Interview mit dem Elon-Musk-haften Tech-Titanen Benji Barnes (Justin Theroux) beziehungsweise dessen Frau Sasha (Lucy Liu) in Aussicht. Nur: Sie hat noch gar keine Zusage.
Lady Gaga darf in dem Mode-Märchen nicht fehlen
Miranda ist derweil mit ihren Gedanken schon ganz woanders. Sie hofft ihre Karriere bei Runway mit der begehrten Stelle der internationalen Leiterin für Redaktionelles (klingt englisch mit „Global Head of Content“ natürlich viel hipper) krönen zu können. Da käme ein Knaller wie die Barnes-Geschichte natürlich gerade richtig. Etwas unterbelichtet bleibt bei so viel Mode-Glanz und -Gloria im feminin dominierten Tollhaus die Liebe. Eher am Rande steht die kleine Romanze, die sich zwischen Andy und dem betuchten Immobilien-Maestro entspinnt, der ihr auf das dringende Anraten einer Kollegin hin eine vorzeigbare Wohnung verschafft.
Auf der Party zum 75. Geburtstag von Herausgeber Irv soll die von Miranda ersehnte Beförderung bekanntgegeben werden. Doch dann ereignet sich eine Tragödie, und die Karten werden neu gemischt. In Mailand steuert das gediegen inszenierte Modewelt-Märchen schließlich seinem Höhepunkt entgegen, auf dem Lady Gaga als das, was in der Muppet-Show früher „der ganz besondere Gaststar“ war, einen fulminanten Auftritt hinlegt. Die Sängerin ist übrigens nur eine auf einer langen Liste von Glitzer-Promis aus der Welt der Mode und Nachbardomänen, die der Filmsatire zusätzlich Strahlkraft verleihen.
Auch der Teufel in Prada muss Geld verdienen
„Der Teufel trägt Prada 2“ glänzt also, wo er glänzen kann. Das mäßig kreative Drehbuch von Aline Brosh McKenna vereint branchenüblich Altes für Anhänger des Originals mit Neuem für die Generation Z und unterhält prima. Negativ schlägt der (ebenfalls branchenübliche) DEI-Dauerkotau zu Buche. Immerhin: Ein Abgleich zwischen Prada 1 und Prada 2 könnte sich als ergiebiges Studienobjekt für Sozial-, Kultur- und Medienwissenschaftler eignen, indem jemand mal untersucht, wie viele Weiße im Vergleich zu 2006 demonstrativ durch „Personen von Farbe“ (PoC heißt das im Regenbogen-Neusprech) ersetzt wurden.
Mit viel Getöse startete bereits vor einem Monat die PR-Maschinerie – man nennt das wohl heute eine „Bazooka“ –, mit der das Unterfangen Prada 2 auf die breite Masse losgelassen wird. Der Startschuss fiel in der mexikanischen Hauptstadt auf dem Gelände der „Casa Azul“, des Frida-Kahlo-Museums. Bei dem Stelldichein für Stars und Prada-Anhänger gab es im Museo Anahuacalli erste Filmausschnitte zu sehen. Auf einem vom Film inspirierten Laufsteg wurden ikonische Klassiker renommierter mexikanischer Modeschöpfer präsentiert. Anschließend zog der PR-Tross weiter nach Tokio, Seoul und Shanghai, ehe dann am 20. April im Beisein von Lady Gaga und anderen Promis aus der Glitzerwelt die Weltpremiere des Films in New York City und die Europapremiere in London folgten.
Etwas scheinheilig wirkt da die Kapitalismuskritik, die ein Subtext des Films ist. Denn natürlich hat der Aufwand, der um „Der Teufel trägt Prada 2“ getrieben wurde, nur ein Ziel: möglichst viel Geld in die Studiokassen spülen. Das immerhin dürfte klappen.
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Filmstart von „Der Teufel trägt Prada 2“ ist am 30. April.






