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Vortrag in der Bibliothek des Konservatismus: „Putin schauspielert, ohne Schauspieler zu sein“

Vortrag in der Bibliothek des Konservatismus: „Putin schauspielert, ohne Schauspieler zu sein“

Vortrag in der Bibliothek des Konservatismus: „Putin schauspielert, ohne Schauspieler zu sein“

Der Unternehmer und Journalist Thomas Fasbender bei einem Vortrag zu seiner Putin-Biographie in der Bibliothek des Konservatismus
Der Unternehmer und Journalist Thomas Fasbender bei einem Vortrag zu seiner Putin-Biographie in der Bibliothek des Konservatismus
Der Unternehmer und Journalist Thomas Fasbender bei einem Vortrag zu seiner Putin-Biographie in der Bibliothek des Konservatismus Foto: JF
Vortrag in der Bibliothek des Konservatismus
 

„Putin schauspielert, ohne Schauspieler zu sein“

Für die einen ist Wladimir Putin der starke Staatsmann im Kreml, für die anderen ein brutaler Kriegstreiber. Doch welche Geschichte steht hinter Rußlands Präsident, der den Kurs seines Landes nun schon seit mehr als zwei Jahrzehnten entscheidend prägt? Eine mögliche Antwort gibt Thomas Fasbender mit einer der wenigen deutschsprachigen Putin-Biographien. Der Unternehmer und Journalist hat sie weder als Anklage, noch als Verteidigung formuliert. Mehr als 25 Jahre lang lebte er in Moskau, lernte das Land und die Leute kennen. Im Berliner Studio des russischen Senders Russia Today (RT) moderierte er zudem ein eigenes Gesprächsformat. Nach dem Angriff Rußlands auf die Ukraine am 24. Februar beendete er seine Zusammenarbeit mit RT.

In der Bibliothek des Konservatismus (BdK) in Berlin stellte er am Mittwoch abend sein 560 Seiten umfassendes Werk mit dem Titel „Wladimir W. Putin – Eine politische Biographie“ vor. Nach einer längeren Pause während der Corona-Pandemie nimmt der Veranstaltungsbetrieb dort wieder an Fahrt auf. „Hätte ich vor sechs Monaten gewußt, daß es zum Krieg kommen würde, hätte ich mit einem raschen Sieg Rußlands gerechnet“, erzählte der Autor den rund 80 Gästen mit Blick auf das Geschehen in der Ukraine und unterstrich die Überraschung, die er mit vielen Beobachtern über die Widerstandkraft der Angegriffenen teilt.

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Sein Buch erzählt die „immer politischer werdende Geschichte“ eines Wladimir Putin, der schon in seiner Kindheit Werte wie Disziplin und Stärke zu idealisieren begann. Ihm sei stets bewußt, welchen Eindruck er bei Gesprächspartnern hinterlasse und er wisse, deren Wahrnehmung zu lenken. Auch wenn er mitunter ein Bild von sich kreiere, stehe er offen zu seinen Absichten. „Er schauspielert, ohne Schauspieler zu sein“, betonte Fasbender bei seinem Vortrag.

Putin fordert Westen heraus

Welche dramatische Präsenz Putin nur wenig später mit dem Kriegsausbruch einnehmen würde, konnte der Autor nur erahnen, als er sein Buch fertigstellte. Die Konfrontation und Entfremdung zwischen dem Westen und Rußland könne zum „Keim für einen neuen europäischen Krieg“ werden, hatte er im Nachwort ahnungsvoll notiert.

Wenn auch die jüngsten Ereignisse nicht Gegenstand des Buches sind, wurden sie es spätestens in der sich an die Buchverstellung anschließenden Debatte. „Den Werdegang einer Person zu kennen, hilft, sie zu entschlüsseln“, gab der Autor bei einer lebhaften Diskussion mit einigen Nachfragen zu Bedenken. Darin ging es etwa um die Motive Putins im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg und darum, welche  Folgen der Konflikt für Deutschland und Europa haben könnte.

Die große Herausforderung, um Rußland zu verstehen, liegt laut Fasbender im hiesigen westeuropäischen Selbstverständnis. Dieses sei von universalen Werten geprägt, wie der Unverletzbarkeit von Grenzen. Darin sei der Westen aber auch gefangen, da er seine Auffassung als den einzig richtigen Weg erachte, den es auch anderswo durchzusetzen gelte. Dazu sei er oftmals jedoch gar nicht mehr in der Lage. Putin fordere diese Wertevorstellung mit seinem Krieg nun heraus.

Die Bedingungen für Verhandlungen mit Rußland über einen Waffenstillstand oder gar Frieden sieht der Journalist indes kritisch, wie er bei auf Nachfrage aus dem Publikum anmerkte. „Das Problem ist, daß niemand mehr Putin vertrauen wird.“ Daran sei der Staatschef aber selbst schuld, da er zuletzt wiederholt dreist gelogen habe. Freilich stellt sich die Frage, ob nach dieser Auffassung überhaupt noch Friedensverhandlungen mit Putin geführt werden sollten. Deutschland komme nicht darum herum, die Ukraine mit Waffenlieferungen zu unterstützen, erklärte Fasbender. Jedoch solle es sich nicht militärisch aktiv am Krieg beteiligen.

Rußland werde fortbestehen

Letztlich gehe er von einem Ende der globalen Ordnung wie wir sie kennen aus, bilanzierte der Autor. Er rechne mit einer stärkeren Trennung der Welt in einen Ost- und einen Westblock. Ersteren werde wohl China anführen. Das geschwächte Rußland könne seiner Einschätzung nach das neue „Dazwischen“ zwischen einem vergrößerten Westblock als Teil der Nato und China werden.

Das Land werde aber auch bei einer Niederlage im Ukraine-Krieg keinesfalls untergehen. Eine solche könne Rußland zwar vorrübergehend schwächen, man dürfe aber nicht von einer Situation wie die Deutschlands 1945 ausgehen. Moskau drohe weder die Besetzung, noch ein „Reeducation“-Programm. Rußland werde auch in Zukunft in seiner altbekannten Form bestehen.

Der Unternehmer und Journalist Thomas Fasbender bei einem Vortrag zu seiner Putin-Biographie in der Bibliothek des Konservatismus Foto: JF
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