Neuer EM
Manuel Neuer nach dem EM-Vorrunden-Spiel gegen Ungarn Foto: picture alliance/dpa | Christian Charisius

Kapitän der Nationalmannschaft
 

Regenbogen und Niederknien: Neuer lobt Haltungsfußball

BERLIN. Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, Manuel Neuer, hat sich erfreut über die Resonanz gezeigt, die er mit der Regenbogen-Armbinde nach dem EM-Spiel gegen Ungarn ausgelöst hat. „Ich finde es gut. Daran sieht man, wo wir stehen in unserer Gesellschaft, und daß wir 2021 in Mitteleuropa so weit sind, daß wir als offene, tolerante Gesellschaft eine solche Aktion als sehr positiv empfinden“, sagte Neuer dem Kicker.

„Eigentlich habe ich von unserer Bevölkerung nichts Anderes erwartet, und wir als Mannschaft können nur sagen, daß wir dafür sehr dankbar sind“, ergänzte Neuer und kündigte an, auch am Dienstag im Achtelfinale gegen England „die Regenbogen-Spielführerbinde“ zu tragen.

Neuer läuft seit Juni bei allen Länderspielen mit der Kapitänsbinde in den Regenbogenfarben auf, so auch zuletzt gegen Ungarn. Nach dem 2:2 hielt er die bunte Binde zudem bei einem Interview demonstrativ in die Kamera.

Niederknien gegen Rassismus: „Wir sprechen in der Mannschaft darüber“

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Zuvor hatte die Uefa Ermittlungen gegen die DFB-Elf eingeleitet, da die Kapitänsbinde in den Farben der Homosexuellenbewegung als mögliches politisches Zeichen gedeutet werden könnte. Sie stellte diese jedoch kurze Zeit später bereits wieder ein, da man die Regenbogenbinde als Zeichen der Mannschaft für Vielfalt und damit für „good cause“ werte.

Neuer lobte zudem das Niederknien der englischen Nationalspieler als Zeichen gegen Rassismus und der Solidarisierung mit der „Black Lives Matter“-Bewegung. „Grundsätzlich finden wir das sehr gut von der englischen Nationalmannschaft und von den Teams, die das in der Premier League auch machen. Wir kennen das in dieser Form aus der Bundesliga und aus unseren Länderspielen bisher so noch nicht. Wir sprechen in der Mannschaft darüber“, sagte der Torwart des FC Bayern München.

Die Three Lions beugen bei der EM kurz vor Anpfiff stets das Knie, um gegen Rassismus zu protestieren. Auch zuvor in Qualifikationsspielen knieten die England-Spieler kurz nieder. Teilweise wurde sie dafür von den eigenen sowie von gegnerischen Fans ausgepfiffen.

Stärker politisch Stellung beziehen

Die deutsche Nationalmannschaft beteiligte sich bislang nicht an dem Niederknie-Ritual, allerdings spielte sie bei der EM auch nur gegen Mannschaften, die dies auch nicht tun. Wie sie sich am Dienstag in der Partie gegen England im Londoner Wembley-Stadion verhalten wird, ist offen. Eine entsprechende Anfrage der JF ließ der Deutsche Fußball-Bund (DFB) trotzt mehrfacher Nachfragen bislang unbeantwortet.

Insgesamt bewertete es Neuer positiv, daß die DFB-Elf zuletzt stärker politisch Stellung bezog. „Es war in der Vergangenheit oft so, daß wir uns politisch nicht so positioniert haben und stattdessen den Richtlinien, wie es immer gewesen ist, gefolgt sind. Jetzt hat – auch dank der sozialen Medien – jeder Einzelne mehr Einfluß, etwas zu bewegen. Das hat sich in den letzten Jahren so entwickelt“, erläuterte der Schlußmann.

„Wir möchten der Nationalmannschaft ein Gesicht geben und den Menschen zeigen, daß es außerhalb des Fußballs wichtige Dinge gibt, auf die wir hinweisen und hinter denen wir stehen. Wir sind für viele Kinder und Jugendliche Vorbilder, und ich denke, daß wir da gerade ein positives Bild abgeben.“ (krk)

Manuel Neuer nach dem EM-Vorrunden-Spiel gegen Ungarn Foto: picture alliance/dpa | Christian Charisius
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