Regenbogen EM
LGBTQ-Anhänger mit Regenbogenfarben vor dem EM-Länderspiel Deutschlang gegen Ungarn in München Foto:

Regenbogen-Hype
 

Billig-Courage

Gratismut. Das war in den vergangenen Tagen eines der Wörter, das man in der Regenbogen-Debatte vom vernünftigen Teil der Deutschen vernehmen konnte. Dieser treffende Ausdruck wird für Situationen verwendet, in denen jemand „mutig“ Position bezieht, ohne irgendwelche Risiken oder negativen Konsequenzen fürchten zu müssen. Die Hysterie, die Deutschland in Regenbogenfarben überzieht, fällt genau in diese Kategorie – große Unternehmen, Zeitungen, Politiker und Prominente, die Schulter an Schulter den Weltverbesserer geben.

Natürlich ist es mehr als nur harmloses Gutmenschentum, denn wer ausschließlich positive Symbole (Regenbogen) und Begriffe (Toleranz) für sich in Anspruch nimmt, handelt arrogant und belehrend, und sein Überlegenheitsgefühl kennt keine Grenzen.

Politiker schimpfen auf die Uefa, als ob durch deren Weigerung, das Stadion in Regenbogenfarben zu beleuchten, ihre aggressive Lobbyarbeit geschwächt würde. Die Entscheidung des Verbandes ist ein Zeichen der Vernunft, denn es ist für jeden klar, daß es hier nicht um die Förderung von Toleranz ging, sondern um Provokation und Druck.

Profit ist Profit

Das ist echter Gratismut, denn es braucht keine Tapferkeit, sich für etwas einzusetzen, das den Menschen – egal ob sie es wollen oder nicht – ohnehin schon von nahezu der gesamten politischen Elite, den großen Konzernen und den Medien aufgnötigt wird.

Apropos Großkonzerne: Deren Heuchelei sorgt seit Wochen für Spott im Internet. Sie haben ihre Profilbilder in den sozialen Medien in Regenbogenfarben getaucht, allerdings nur in den Ländern, in denen Homosexualität nicht mit Gefängnis bestraft wird. Zwar sind sie als Unternehmen auch in den Ländern aktiv, in denen das der Fall ist, aber hey: Profit ist Profit. Und hier geht es nur um Profilbilder. Für viele mag das die höchste Stufe des Aktivismus sein, aber für einen großen Konzern ist es das eher ein bescheidenes Werkzeug.

Man muß an dieser Stelle die Frage erwähnen, die in einigen deutschen Medien zu Recht aufgeworfen wurde: Hat Manuel Neuer seine Regenbogenbinde auch in Katar im Trainingslager von Bayern München getragen – schließlich ist die Fluggesellschaft des Landes, das Homosexualität mit Gefängnis bestraft, zufällig dessen Sponsor.

Haß getarnt als Liebe und Toleranz

Wir Ungarn glauben nicht, daß die Deutschen allesamt verrückt geworden sind. Aber es gibt einen erstaunlichen Gruppendruck, und wer sich der Hysterie nicht anschließt, wird zum Aussätzigen. Der saarländische Ministerpräsident wollte sich an die Spitze der anderen setzen, und verkündete deshalb stolz, er habe die Weihnachtsgrußkarte von Viktor Orban in den Papierkorb geworfen. Vielleicht wird er sich in einem seiner besseren Momente für sein Verhalten schämen.

Diejenigen, die in München vor dem EM-Spiel gegen Ungarn Tausende Regenbogenfahnen verteilt haben, hofften wirklich, daß sie die Ungarn zu irgendeinem Verhalten provozieren könnten. Sie haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, so zu tun, als richte sich ihre Kritik nur gegen die ungarische Regierung. Ihr Haß – den sie Liebe und Toleranz nennen – betraf das ganze Land.

Denn in Wahrheit stören sich die, die Ungarn diesmal unter dem Banner des Regenbogens attackieren, daran, daß die dortige konservative Regierung mit ihrem souveränen Kurs erfolgreich ist, ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum aufweist und sich beharrlich weigert, das Knie zu beugen – vor welchen Zeitgeist auch immer.

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Der Beitrag wurde zuerst in der ungarischen Zeitung Magyar Hírlap veröffentlicht und erscheint mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Mariann Őry ist Auslandschefin von Magyar Hírlap.

LGBTQ-Anhänger mit Regenbogenfarben vor dem EM-Länderspiel Deutschlang gegen Ungarn in München Foto:
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