Kinder in einer Kita in Schwerin Foto: picture alliance/ dpa-Zentralbild
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Zuhause oft besser aufgehoben

Studie: Drei Viertel aller Kinder sind in Kita mangelhaft untergebracht

BERLIN. Rund 74 Prozent aller Kita-Kinder waren im vergangenen Jahr nur mangelhaft untergebracht und wurden von zu wenig Personal in zu großen Gruppen betreut. Laut einer Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung sei die Situation dadurch oft nicht kindgerecht gewesen. „Wir sind weit davon entfernt zu sagen, daß ein Kind in der Kita immer besser aufgehoben ist als zu Hause“, sagte die Bertelsmann-Bildungsexpertin Anette Stein der Welt.

Im Vergleich zu 2013 habe sich die Personalsituation zwar verbessert, „es reicht aber noch nicht für eine gute pädagogische Arbeit“, mahnte sie. Viele Pädagogen müßten den Bildungsauftrag gegenüber der Aufsichtspflicht hintenanstellen.

Kindern drohe in Kita Kollektivierung

Dies habe einen „erheblichen Einfluß auf die stattfindenden Bildungsprozesse, auf den Grad an Autonomieerleben der Kinder und ihr Wohlbefinden“, warnte sie. Statt individueller Förderung drohe die Kollektivierung.

Besonders in den östlichen Bundesländern fehlten Kita-Mitarbeiter. Dort seien 93 Prozent der Kinder von dem Personalmangel betroffen. Im Westen seien es 69 Prozent. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt in Krippengruppen mit Kindern unter drei Jahren einen Mitarbeiter für die Betreuung von drei Kindern zu gewährleisten. In Kindergartengruppen sollten laut der Stiftung maximal 7,5 Kinder auf einen Betreuer kommen.

Östliche Bundesländer hätten kleinere Kita-Gruppen

Bundesweit entfielen aber 4,2 Kleinkinder in Krippengruppen und 8,8 Kinder in Kindergartengruppen auf einen Betreuer. Auch die empfohlene Gruppengröße von zwölf Kindern bei den Jüngeren und 18 bei den Älteren sei oft überstiegen worden.

Hierbei hätten die Kitas in den östlichen Bundesländer aber besser abgeschnitten als die im Westen des Landes. Sie hätten nicht nur kleinere Gruppen gehabt, sondern auch besser qualifiziertes Personal.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hatte im vergangenen Jahr das „Gute-KiTa-Gesetz“ erwirkt, mit dem der Bund die Länder bei der Qualitätsverbesserung der Kinderbetreuung unterstützen soll. Ob das Gesetz die erhoffte Wirkung zeige, müsse aber noch abgewartet werden, betonte Stein. „Ich bin skeptisch, solange darin keine einheitlichen Standards definiert sind.“ (zit)

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