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Beim Bier schwitzen: Löyly statt Regelpaket – die finnische Sauna

Beim Bier schwitzen: Löyly statt Regelpaket – die finnische Sauna

Beim Bier schwitzen: Löyly statt Regelpaket – die finnische Sauna

Ein Mann sitzt in einer finnischen Sauna, in einem Eimer sind Birkenzweige
Ein Mann sitzt in einer finnischen Sauna, in einem Eimer sind Birkenzweige
Ein Mann sitzt in einer traditionellen finnischen Holzsauna. Links unten: Die frischen Birkenzweige. Foto: IMAGO / Depositphotos
Beim Bier schwitzen
 

Löyly statt Regelpaket – die finnische Sauna

In Finnland ist die Sauna keine Wellness-Wissenschaft, sondern Lebensgefühl. Dazu gehört: Heißer Rauch, kalte Seen, frisches Bier und schmackhafte Beerencreme.
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Im Nachtzug von Helsinki nach Kemijärvi. Vier junge Lappländer sitzen beim Bier zusammen, sie sind neugierig auf die internationalen Besucher, die neben ihnen sitzen. „Ja, es stimmt, im Winter werden wir Finnen oft depressiv, weil wir kaum Sonnenlicht sehen“, sagt der eine. „Mich rettet die Sauna. Ich gehe im Winter jeden Tag hinein, das ist mein Überlebensmittel!“

Jetzt ist es Sommer, und es sind warme 19 Grad in Lappland. Ich soll noch einige Dinge über Saunen erfahren, die in Deutschland ganz anders gesehen werden als in Finnland. Die Deutschen haben immer ein Plakat mit „Saunaregeln“ außen an der Sauna. Die Deutschen haben aus der Sauna eine Wissenschaft gemacht mit Regeln, Temperaturtabellen, Zeitvorgaben und Menschen, die sie überwachen. Die Finnen haben die Sauna.

Wir kommen in Kuusamo an, nur wenige Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Natürlich liegt das Landgut Pohjolan Pirtii einsam an einem Seeufer eines glasklaren, im Sommer aber immer noch bedenklich kalten Sees. Wie überall in Finnland gibt es hier getrennte Umkleiden für Männer und Frauen. Und wenn Männer und Frauen dann in eine Sauna gehen, tragen sie Badebekleidung! Auch die deutsche Saunaregel „Kein Schweiß aufs Holz“ scheint man in Finnland nicht zu kennen. Ein Handtuch unterlegen? Wozu denn, dann wird es noch nass!

Und natürlich gibt es Beerencreme

Die Anlage wird in der 11. Generation von der Familie Pohjola betrieben – mehr Saunatradition geht wohl nicht. Seit 300 Jahren wird hier bereits sauniert! Frau Pohjola erklärt gleich einen wichtigen Unterschied zu deutschen Saunen: „Hier in Finnland fragen mich die deutschen Gäste oft, wo die Sanduhr ist. Wir haben keine!“ Pohjola lacht, und erklärt dann, dass man jenen Stress, auch noch in der Sauna auf die Uhr zu schauen, in Finnland ablehne. Der Körper sage einem unweigerlich, wann es Zeit ist, wieder aus der Sauna herauszugehen. „Und das ist bei jedem Menschen und zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedlich – der eine geht nach zwei Minuten, der andere nach 20 Minuten.“

Nach dem Saunieren lädt die Familie in den Speisesaal mit offenem Kamin im Haupthaus ein. Auf dem Tisch stehen fast nur Dinge, die aus dem See oder dem eigenen Garten kommen und mit viel Liebe zubereitet sind. Natürlich steht auch kühles Bier bereit, das ist bei Finnen nach der Sauna äußerst beliebt. Und natürlich gibt es Beerencreme. Verschiedene selbstgesammelte Beeren werden dabei zerdrückt und mit süßer Sahne vermischt. „Wir sammeln so viele Beeren hier im Sommer, bei uns in Lappland hat praktisch jeder einen extra Gefrierschrank nur für die Beeren“, verrät Pohjolan.

Hier gibt es auch einen Saunatyp, der in Deutschland bislang noch wenig verbreitet ist: die Rauchsauna. Drinnen merkt man an der dunklen Färbung des Holzes und am Geruch, dass es hier oft sehr rauchig sein muss. Früher war die Rauchsauna in Finnland eigentlich ein Haus, in dem Wurst und Fleisch und Fisch geräuchert wurde. Nur einmal in der Woche, meist am Samstag, kamen die Dorfleute darin zusammen, um sich zu reinigen und zu saunieren.

Das Geheimnis der finnischen Rauchsauna

„Heute wird in den Rauchsaunen nichts mehr geräuchert“, enttäuscht Katja die Besucher. Die Rauchsauna wird Stunden vorher mit einem Holzofen angeheizt, auf dem ein großer Steinhaufen liegt. Steine gibt es in der Umgebung mehr als genug. Weil die Rauchsauna keinen Schornstein hat, erfüllt der Rauch den ganzen Raum und schwärzt Wände und Bänke. Dieser Vorgang dauert rund 5 Stunden. Danach wird die Sauna gründlich gelüftet, und sie ist bereit für die Gäste. Die aufgeheizten Steine geben die Wärme noch stundenlang ab.

Doch warum der Aufwand? Zum einen ist es kulturelles Erbe Finnlands. Der Rauch hat aber auch eine desinfizierende Wirkung. Und die Hitze wird durch den Ruß als weicher empfunden, das bestätigen fast alle Besucher der Sauna. Und dann ist da noch die mystische Wirkung, die dieser heiße, schwärzliche Raum ausstrahlt.

Wikipedia schreibt, dass Rauchsaunen aufgrund der Abbrände nur noch in Museen existieren. Die Wikipedia-Autoren waren noch nicht im Isokenkäisten Klubi, hier wird die Rauchsauna fast täglich befeuert und erfreut ihre Besucher. Die Gefahr des Brandes sei in der Tat sehr hoch, das bestätigt auch Katja: „Es gibt ein Sprichwort, das sagt, es gibt nur abgebrannte Rauchsaunen, oder Rauchsaunen, die noch nicht abgebrannt sind“, sagt sie mit einer Gelassenheit, die vermutlich daraus entsteht, mehrere Monate im Jahr bei Dunkelheit und minus dreißig Grad überlebt zu haben.

„Löyly“ spricht man hier mit Ehrfurcht aus

In der Rauchsauna können sich die Gäste mit frischen Birkenzweigen schlagen. Dies sei ein altes finnisches Saunaritual, sagt Katja. Das Schlagen fördere zum einen die Durchblutung, die Öle aus den Birkenblättern verjüngen die Haut. Das Birkenzweig-Bündel kann man dann gleich für den Aufguss verwenden, mit ihm entsteht ein wohlriechender Birkenduft in der Sauna. Den Aufguss, in Finnland „Löyly“ genannt, kann hier jeder machen.

Dazu hat Saunaelfe Katja eine weitere Geschichte parat: „Ich war mal in einer Sauna in Deutschland und habe den Löyly aufgegossen, wie wir das hier in Finnland immer machen. Da habe ich dann richtig Ärger bekommen, denn anscheinend darf in Deutschland nur der Saunameister den Aufguss machen“, amüsiert sich Katja. Hier in Finnland ist der Löyly heilig, und jeder kann ihn aufgießen. In Finnland ist Löyly aber weit mehr als bloßer heißer Wasserdampf. Er ist die Seele der Sauna, und Finnen sprechen es meist mit einer gewissen Ehrfurcht aus.

Aus der JF-Ausgabe 29/26.

Ein Mann sitzt in einer traditionellen finnischen Holzsauna. Links unten: Die frischen Birkenzweige. Foto: IMAGO / Depositphotos
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