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Schulflucht

Nicht alle Schulschwänzer werden kriminell, meint Hamburgs scheidender parteiloser Innensenator Udo Nagel, aber bei nahezu allen Straftätern lasse sich nachweisen, daß sie es in ihrer Jugend mit dem regelmäßigen Unterrichtsbesuch nicht so genau genommen hätten. Was in der breiten Öffentlichkeit immer noch als ein Phänomen pubertärer Unbotmäßigkeit verharmlost wird, zu dem jeder überdies mit frechen Anekdoten aus der eigenen Schulzeit aufzuwarten weiß, stellt sich somit als ein Problem dar, dem die Sicherheitsbehörden nicht ausweichen dürfen. Auf welche Weise aber kann der Staat hier über die unnachsichtige Verfolgung von Missetätern hinaus überhaupt initiativ werden? Nagel empfiehlt, den Blick auch auf jene Ablenkungen zu lenken, denen sich Schulschwänzer hinzugeben pflegen. Es gelte insbesondere, der Massenabwanderung von Halbwüchsigen aus dem Unterricht in die Kaufhäuser Einhalt zu gebieten, wo sie sich schon am Vormittag an den ausgestellten Spielkonsolen vergnügten, anstatt durch Lerneifer um einen Platz in der Wissensgesellschaft von morgen zu kämpfen. Dieser Versuchung wären sie nicht länger ausgesetzt, könnten die Betreiber der einschlägigen Geschäfte dazu gebracht werden, ihre Exponate erst am Nachmittag in Betrieb zu setzen. So beherzt Udo Nagels Vorschlag zunächst klingen mag, so unzureichend ist er in näherer Betrachtung. Der Trend geht heute in Richtung Ganztagsschule, es wäre daher sinnvoll, die Spielkonsolen den ganzen Tag über abgeschaltet zu lassen. Am Abend aber ist der Platz von Jugendlichen nicht das Kaufhaus, sondern das Bett. Zudem ist zu bedenken, daß es unterdessen kaum noch einen Schüler geben dürfte, der nicht selbst im Besitz von Computerspielen ist oder über seinen Freundeskreis Zugang zu solchen hat. Um diese Ablenkung zu suchen, muß also niemand in ein Kaufhaus gehen. Konsequenter wäre es daher, Jugendlichen generell den Zugang zu Unterhaltungselektronik zu verwehren, Handys, die diese Funktionalität bieten, mit eingeschlossen. Doch selbst wenn der Sumpf derartiger Vergnügungen zur Gänze trockengelegt wäre, könnte man längst noch nicht aufatmen. Es ist nämlich davon auszugehen, daß den allermeisten Schülern nahezu jede alternative Beschäftigung attraktiver als Unterricht erscheinen dürfte. Im Notfall würden sie sich sogar still auf eine Parkbank setzen und lesen. Nur wer den Mut aufbringt, Schulen endlich nach dem Vorbild von Justizvollzugsanstalten zu organisieren, kann die Teilnahme am Unterricht nachhaltig erzwingen.

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