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Feuer statt Asche

Die heidnische Szene insbesondere neugermanischer Ausrichtung ist in Deutschland – anders als in manchen skandinavischen Ländern, wo man es bereits zur staatlichen Anerkennung brachte – in verschiedene konkurrierende Vereine und eine stetig wachsende Zahl nichtorganisierter Einzelpersonen zersplittert. „Traditionalisten“ suchen eine „reine Lehre“ zu fixieren und neigen bisweilen zu einem Dogmatismus, der dem am Christentum kritisierten mindestens nahekommt, und „Modernisten“, die auf alle möglichen außerchristlichen Traditionen zurückgreifen, gleiten in die Beliebigkeit eines esoterischen Multikulturalismus ab. Zwischen beiden Positionen bewegt sich Fritz Steinbock, der in seinem Buch „Das heilige Fest“ der Devise folgt, „nicht die Asche anzubeten“, sondern das von den Ahnen entzündete Feuer „am Brennen zu halten“. Bereits der Untertitel „Rituale des traditionellen germanischen Heidentums in heutiger Zeit“ bringt dieses Bestreben, der Tradition, soweit sie überliefert oder sicher bezeugt ist, zu folgen und sie dort, wo es nötig ist, aus ihrem eigenen Geist an moderne Gegebenheiten anzupassen, zum Ausdruck. Darin besteht kein grundsätzlicher Widerspruch, denn wie jede Religion – und mehr noch als die an einen kanonischen Textkorpus gebundenen Bibelreligionen – beinhaltet das Heidentum einen fortwährenden Wandel. Für einen praktizierenden Heiden ungewöhnlich ist, daß sich Steinbocks präzisen und sowohl von dünkelhaftem Guru-Gehabe wie von „Deutschtümelei“ gänzlich freien Ausführungen auf dem heutigen Stand sprach- und religionswissenschaftlicher Forschungen bewegen. Besonders der Grundlagenteil ist auch für Nichtheiden von Interesse: In ihm bestimmt Steinbock das Heidentum nicht in erster Linie inhaltlich, etwa als Naturreligion oder als Polytheismus (was es natürlich auch ist), sondern methodisch und strukturell: als Erfahrungsreligion, die keine festgelegten „Glaubenswahrheiten“ – ein Widerspruch in sich – voraussetzt, sowie als Lebensform, „forn sidr“, die „Alte Sitte“ nach dem Selbstverständnis mittelalterlicher Nordgermanen. Ausgehend hiervon beschreibt Steinbock das altgermanische eher von Treue und Verwandtschaft statt von Demut geprägte Verhältnis zu den Göttern und zieht die Linien zur Gegenwart. Diskussionsbedürftig bleiben zwar die einzelnen Kriterien solcher Traditionserneuerung sowie das zentrale Problem, wie eine nicht gänzlich, aber doch zu weiten Teilen verschüttete „Alte Sitte“ wieder lebendig werden kann. Steinbock wahrscheinlich auf die Evidenz der Praxis selbst verweisen: Wenn genügend Menschen beispielsweise die Jahreskreisfeste wie Sommer- und Wintersonnenwende wieder feiern, wird diese Frage von selbst hinfällig. Fritz Steinbock: Das heilige Fest – Rituale des traditionellen germanischen Heidentums in heutiger Zeit. Verlag Daniel Junker, Hamburg 2004, 271 Seiten, broschiert, 24,80 Euro

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