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Modernes altmodisch gewandet

Bei Pfarrgemeinderatsmitgliedern und anderen engagierten Katholiken ist die Zeitschrift Christ in der Gegenwart (CiG) weit verbreitet. Schon seit 1949 erscheint die Zeitschrift wöchentlich. Die 32.000 Abonnenten sind zumeist Christen, die über den Sonntagsgottesdienst hinaus sich in liturgische, spirituelle, kulturelle und kirchenpolitische Themen vertiefen wollen. Wie schon der Titel verrät, geht es dem CiG hauptsächlich um einen zeitgemäßen Glauben oder, wie die Zeitschrift selbst formuliert, um „modernes Christsein in moderner Welt“. Hierzu orientiert sie sich vor allem am Zentralkomitee der deutschen Katholiken und zitiert die theologischen Vordenker des Zweiten Vatikanischen Konzils. Großer Wert wird auch auf eine ökumenische Ausrichtung gelegt. In den letzten Ausgaben wurde vor allem die neue Liturgie-Instruktion des Vatikans immer wieder thematisiert. Christ in der Gegenwart hält sie für zu restriktiv und zu sehr priesterbetont. Er fordert eine Ent-Magisierung und Entmythologisierung: „Wir brauchen eine moderne Mystik, um das Geheimnis des Glaubens aus der Tradition heraus liturgisch nach vorn zu buchstabieren, nicht zurück.“ Die altbekannte Tatsache: Jeder Ruf zur Umkehr wird bei liberalen Christen als Rückschritt empfunden. Es muß weiter nach vorn gehen – egal in welche Richtung! Auffallend ist allerdings die Diskrepanz zwischen Inhalt und Form. Scheint inhaltlich oft die Modernität vor dem Glauben Vorrang zu haben, so kommt die Zeitschrift in bezug auf Sprache und Layout eher bieder bis altbacken daher. Der fromm-betulichen Pastoralsprache fehlt jeder Biß. Es herrscht gepflegte Langeweile. Es überrascht daher nicht, daß CiG junge Leser nicht begeistern kann. So hat das Allensbacher Institut für Demoskopie kürzlich die Leserschaft des CiG unter die Lupe genommen. Ergebnis: Nur ein Drittel der Leser ist jünger als sechzig Jahre; das Durchschnittsalter liegt bei 64. Das ist genau die Altersgruppe der bekanntesten Kirchenkritiker Eugen Drewermann (63), Jacques Gaillot (68) und Hans Küng (76). In der Zeitschriftenlandschaft herrscht das gleiche Bild wie in den Gottesdiensten: Die Mainstream-Kirche leert sich immer weiter, während betont bibeltreue oder konservative Gruppierungen immer größeren Zulauf verzeichnen können. Wer schon einmal eine Heilige Messe im alten Ritus besucht hat, konnte feststellen, daß dort der Altersdurchschnitt deutlich unter dem einer gewöhnlichen Pfarrgemeinde liegt. Der Mensch von heute erwartet von den kirchlichen Vertretern, den unverfälschten tradierten Glauben in zeitgemäßer Sprache zu verkünden. Christ in der Gegenwart aber bietet in altertümlichem Stil modernistische Theologie. Der moderne Christ ist offensichtlich nicht dort zu finden, wo die Modernisten ihn vermuten. Anschrift: Christ in der Gegenwart, Verlag Herder, 79080 Freiburg i. Br. Die Zeitschrift erscheint wöchentlich. Der Einzelpreis beträgt 1,60 Euro.

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