Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Salzburger Erz-Nockerln

Furchtbar regen sich österreichische Zeitungen, allen voran die Wiener Krone, darüber auf, daß „die Deutschen uns unseren Mozart wegnehmen wollen“. Grund: Mozarts Name in einer Kandidatenliste, die das ZDF aufgestellt hat, um eine Sendung vorzubereiten, in der „der berühmteste Deutsche“ gewählt werden soll. So albern das ZDF-Unternehmen sein mag, Mozarts Kandidatur geht in Ordnung. Seine Familie stammte aus Augsburg, und geboren wurde er 1756 in Salzburg, einem selbständigen Erzbistum, das seit unvordenklichen Zeiten zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte. Als Wolfgang Amadeus Mozart 1791 starb, war es immer noch selbständig. Erst 1801 wurde es säkularisiert und nach dem Wiener Kongreß 1815 zum Habsburger Reich Österreich-Ungarn geschlagen. Würde man Mozart als Österreicher einordnen, müßte man auch Gerhart Hauptmann als Polen oder Immanuel Kant als Russen einordnen, nur weil ihre Geburtsorte heute zu Polen bzw. zu Rußland gehören. Die Unsinnigkeit solcher Schubkästen liegt auf der Hand. Statt herumzuzetern, sollte sich die Krone lieber freuen, daß das ZDF den „Österreicher“ Mozart auf seine Liste gesetzt hat und nicht den Österreicher Adolf Hitler. Aber nicht weil Hitler Österreicher war, sondern weil er „die Welt ins Unglück gestürzt hat“, schloß ihn das ZDF aus seiner Liste der berühmtesten Deutschen aus. Dabei kann nicht der geringste Zweifel bestehen: In den Augen der Welt ist nicht Mozart, sondern Hitler der berühmteste „Deutsche“. Noch der kleinste Junge aus dem fernsten afrikanischen Urwalddorf kennt ihn, und alle Medien sorgen dafür, daß er uns als dämonischer Gegenwurf zur Welt, wie sie ist, erhalten bleibt. Nicht Mozart, sondern Hitler ist inzwischen voll den globalen Bildungsstandards angepaßt, wurde zur Pop-Ikone, die gleichberechtigt neben Mick Jagger und dem Tyrannosaurus Rex rangiert. Daran kann weder das ZDF noch die Krone etwas ändern.

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