Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
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Linke Dauerempörung
 

Kaisers royaler Wochenrückblick

Die vergangene Woche wurde mal wieder von vielen größeren und kleineren Shitstorms durchweht. Ex-Nationalspieler und RTL-Fußballexperte Steffen Freund hat mit einem seiner Kommentare, zum WM-Qualifikationsspiel des DFB-Teams gegen Fußballzwerg Nordmazedonien, die feministische Front auf Twitter gegen sich aufgebracht. Der Grund: Als die Wiederholung einer bösen Verletzungsszene eingespielt wurde, kommentierte Freund flapsig: „Frauen jetzt bitte wegschauen bei dieser Zeitlupe.“

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Ja, das genügt inzwischen, um bei der allzeit empörungswilligen Internet-Community, der Generation Heulsuse, Schnappatmung und den Twitter-Button auszulösen. „Der ulkige Steffen Freund findet, daß „Frauen bitte wegschauen sollen“, wenn sich einer bös verletzt. „Wir finden, daß Frauen UND Männer weghören sollten, wenn er mit Marco Hagemann kommentiert“, schrieb ein Nutzer, der sich selbst als einen leidenschaftlichen „Sachen-auf-Papier-Schreiber“ bezeichnet. Leider nicht nur auf Papier sondern in den Twitter-Äther.

Tatsächlich wäre es für Leute, mit einer derartig niedrigen Empörungsschwelle wohl das Beste, im Zweifel öfter mal wegzuhören oder einfach umzuschalten. Aber dann könnten sie sich eben nicht mehr über jede Kleinigkeit empören und aus jedem Furz einen Shitstorm machen.

Heidenreich spricht aus, was jeder denkt

Elke Heidenreich hat Linkstwitter gegen sich aufgebracht. Im Zuge der Debatte um Sarah-Lee Heinrich, der neuen Vorsitzenden der Grünen Jugend, und derer für viele teils verstörenden Tweets aus Teenagertagen, sagte die bekannte Schriftstellerin und Literaturkritikern in der Talkrunde von Markus Lanz: „Wenn einer aussieht wie sie, dann frage ich natürlich, wo kommst Du her oder wo kommen Sie her. Und zwar nicht, um sie zu diskriminieren – alle sind immer sofort diskriminiert und beleidigt – sondern weil ich sofort sehe: die kommt nicht aus Wanne-Eickel oder Wuppertal, sondern die hat Eltern, die von woanders kommen. Und ich finde, das ist keine diskriminierende Frage, wenn ich einen netten, dunkelhäutigen Taxifahrer habe, der perfekt Deutsch spricht und ich sage, wo kommen Sie eigentlich her, und der sagt, meine Eltern sind aus Marokko. Ich finde da kein Problem, daß man fragt, man sieht es ja.“

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Für den Spiegel-Journalisten, Mathieu von Rohr, lieferte die Opern-Librettistin damit „die perfekte Anschauung für aggressive Ignoranz“ und die Vizepräsidentin des Landtags von Schleswig-Holstein, Aminata Touré, kommentierte Heidenreichs Allerweltswissen in einem Tweet mit den Worten: „Ich möchte eins nicht werden in meinem Leben – bitter. Wenn man aber nur Ausschnitte der gestrigen Lanz Sendung ansieht und hört wie Elke Heidenreich über Sarah Lee Heinrich spricht, dann ist da so viel Bösartigkeit drin, die es einem schwer macht, nicht bitter zu werden.“ Der Zug dürfte für die Grünen-Politikerin und viele ihrer dauerbeleidigten Mitstreiter schon lange abgefahren sein. Die zur „Haltung“ hochstilisierte Verbitterung, vieler PoC-Aktivisten gehört zur geistigen Grundlage ihres allumfassenden Kampfes für die soziale Selbstgerechtigkeit.

So kam die linksgrüne Bubble in dieser Woche auch gar nicht mehr raus, aus ihrer Aufregung, über all die Dinge, die noch nicht der von ihr angestrebten neuen „progressiven“ Gesellschaftsneuordnung entsprechen. Dazu gehört auch das Ritual des militärischen Zapfenstreichs. Als unsere aus Afghanistan heimgekehrten Soldaten dieser Tage endlich Anerkennung ihren Einsatz erfahren haben und mittels eines traditionellen Fackelmarsches für die von ihnen erbrachten Opfer geehrt wurden, löste dies größtes Unbehagen aus bei den friedensverwöhnten und wohlstandsverwahrlosten  Social Justice Warriors zuhause auf den heimischen Sofas. Schützenhilfe bekamen sie dabei unter anderem von einem der Großväter des linken Bequemlichkeits-Pazifismus.

Zapfenstreich? Was gibt’s da zu feiern?

Und der dritte Twitterer in der Empörungsrunde ist Grünen-Urgestein Hans-Christian Ströbele. Der findet: „Großer Zapfenstreich mit Fackelzug heute vor Reichstag. Bundeswehr feiert das Ende ihres Einsatzes in Afghanistan. Was soll das militaristische Ritual aus Preußen und der NS-Zeit. In dem Krieg starben über 175.000 Mensch – meist Zivilisten. Nichts ist gut in Afghanistan. Was gibt’s da zu feiern.“

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Mal abgesehen davon, daß man natürlich froh sein kann, daß der lebensgefährliche Einsatz für unsere Soldaten vorbei ist, gehört der alte Kiffer-Veteran Ströbele sein Leben lang eigentlich immer zu jenen Typen, die zum Feiern gar keinen Grund brauchten. Allerdings auch zu denen, die eine Feier erst so richtig schön machten, indem sie nicht erschienen . So gesehen hat Mr. „Gebt das Hanf frei“ den Soldaten mit seiner, borniert – aber immerhin aus der Ferne vorgetragenen – Abneigung gegen die Feierlichkeiten, vermutlich den größtmöglichen Dienst erwiesen.

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