Großer Zapfenstreich zum Ende des Afghanistan-Einsatzes
Soldaten nehmen vor dem Reichstagsgebäude am Großen Zapfenstreich in Berlin teil Foto: picture alliance/dpa | Christophe Gateau

Linke Kritik am Zapfenstreich
 

Präsentiert das Gewehr – und der Narrensaum dreht durch

Uniformen plus Marschmusik plus Fackeln plus Reichstag gleich Nazi. Deutschlands politische Milchmädchen (und -jungen) haben sich wieder mal eine ganz besonders schlüssige Rechnung zusammenphantasiert. Daß der Zapfenstreich zu Ehren der Veteranen des Afghanistan-Einsatzes auf Kritik am äußersten linken Rand stoßen würde, war absehbar.

Es sind die altbekannten Reflexe, die immer wieder zum Vorschein kommen, egal wo sich die Bundeswehr außerhalb ihrer Kasernen zeigt. Ob mit Jugendoffizieren an Schulen, mit Beratern bei Berufsmessen oder auch nur uniformierte Soldaten in der Bahn – der Aufschrei gegen die vermeintliche „Militarisierung“ läßt nicht lange auf sich warten. Und öffentliche Gelöbnisse zu stören, ist schließlich auch schon zivilgesellschaftlicher Volks-, Verzeihung: Bevölkerungssport.

Doch wie niveaulos und platt gestern gegen dieses militärische Zeremoniell gegeifert wurde, damit konnten uns die inländischen Taliban des Vulgärpazifismus dann doch wieder erstaunen. Helm, nein Hut ab.

Weltweit pflegen Soldaten ihre Traditionen

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Es wäre daher vergebens, die Fakten über die Wurzel des Zapfenstreichs zu referieren, um die Verbreiter von Fake-Historie zu widerlegen. Daß „Ich bete an die Macht der Liebe“ kein Ausdruck nationalistischen Größenwahns ist, und daß das 17. Jahrhundert nicht von 1933 bis 1945 dauerte … geschenkt.

Ein Hinweis sei allerdings gestattet: Rituale und Zeremonien sind Ausdruck militärischen Selbstverständnisses. Wenn es etwas gibt, das – aufgepaßt, liebe Linke! – wirklich auf der ganzen Welt gilt, dann daß Soldaten Traditionen pflegen, die aus der Vergangenheit stammen; die nichts mehr mit dem modernen Dienstalltag zu tun haben – aber eine Menge mit dem Kern dieses Berufs, der eben kein „Job“ wie jeder andere ist. Und das wiederum wurde für die Bundeswehr mit ihrem komplizierten Traditionsverständnis nirgendwo so deutlich wie im Afghanistan-Einsatz mit seinen 59 zu beklagenden Toten.

Der Zapfenstreich der Parlamentsarmee vor dem Haus des demokratisch gewählten Bundestags war das längst überfällige Gegenstück zum würde- und stillosen Nicht-Empfang am Fliegerhorst Wunstorf, als die Heimkehrer des letzten Afghanistankontingents sich selbst überlassen blieben und keiner von denen, die sie an den Hindukusch entsandt hatten, sich blicken ließ.

Dieser Zapfenstreich wurde den Regierenden abgetrotzt

Und auch daran sei erinnert: Dieser Zapfenstreich ist ja gerade auf Druck „von unten“, seitens der Soldaten, also quasi basisdemokratisch, den Regierenden abgetrotzt worden.

Derjenige parlamentarische Arm der Grünen, der gestern nicht mit Lob und Anerkennung für die Bundeswehr sparte, wird sich ein paar Gedanken darüber machen müssen, wie er es künftig mit dem Narrensaum im eigenen Milieu hält. Wäre eine klare Abgrenzung da nicht auch mal angebracht – die man von politischen Wettbewerbern stets einfordert?

Deutsche Soldaten im Namen einer wertebasierten Außen- und Sicherheitspolitik in schwer kalkulierbare Auslandeinsätze und Konflikte zu entsenden, damit sie dort ihre Knochen hinhalten – um sie anschließend dem Gepöbel eines politischen Vorfelds auszusetzen, mit dem man sich immer noch gerne schmückt.

In der Bilanz muß der Afghanistan-Einsatz als gescheitert verbucht werden. Gerade deswegen ist ein sichtbares Zeichen der Anerkennung für die Veteranen notwendig, weil sie nicht für das Scheitern verantwortlich sind.

Und daß eine Minderheit, die politisch unreif, dafür aber um so lautstärker ist, am Zapfenstreich herumnölte, darauf kann es nur eine Antwort geben: mehr Marschmusik, mehr Uniformen in die Öffentlichkeit. Denn das ist alles – nur nicht Nazi.

Soldaten nehmen vor dem Reichstagsgebäude am Großen Zapfenstreich in Berlin teil Foto: picture alliance/dpa | Christophe Gateau
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