Erˆffnung 101. Katholikentag
Kardinal Reinhard Marx (M) mit Thomas Sternberg (rechts), dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) Foto: picture alliance/dpa
Religion und Politik

Zentralkomitee der Katholiken gegen konservative Laien

Die Katholische Kirche kennt Heilige und Sünder. Das Zentralkomitee der Katholiken (ZdK) kennt dagegen gute und schlechte Laien. Die guten Laien, das sind vor allem jene, die beim ZdK selbst mitwirken. Der Präsident Thomas Sternberg ist zugleich CDU-Mitglied. Nichts Ungewöhnliches: Zu den 45 „beigewählten“ Mitgliedern des Komitees gehören und gehörten zahlreiche politische und mediale Vertreter. So etwa SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer, der grüne Landesvater Winfried Kretschmann oder der ZDF-Journalist Peter Frey. 97 weitere Mitglieder entstammen katholischen Organisationen wie der Caritas oder dem Kolpingwerk, auch darunter Personen mit politischer Tätigkeit.

Einrichtungen wie das ZdK folgen getreu dem brandt’schen Motto: „Mehr Demokratie wagen“. Das ist nicht ohne Ironie angesichts des Proporzes, der eine lupenreine Funktionärsmentalität zeigt. Die direkt gewählten Kandidaten aus den Diözesen sind gegenüber den Organisationsvertretern und den „Hinzugewählten“ in der Minorität.

Das mindert nicht die Funktion des ZdK, das öffentlichkeitswirksam auftritt und bei progressiven Projekten in vorderster Reihe steht. Abschaffung des Zölibats, Frauenweihe und mehr Unabhängigkeit von Rom sind das Ziel. Daß es seit 500 Jahren bereits ein anderes deutsches Projekt mit dieser Zielvorstellung gibt, ist bisher nicht zu den Verantwortlichen durchgedrungen.

Die Katholische Kirche ist nur Botin

Dabei ist Jesus kein Präsident, sondern ein König. Die Wahl seiner Jünger erfolgte nicht per Abstimmung, sondern per Berufung. Die apostolische Nachfolge der Bischöfe ist daher im katholischen Glaubensverständnis eine streng hierarchische Angelegenheit. Das mag man antidemokratisch, autoritär oder patriarchalisch empfinden. Die Katholische Kirche ist nur Botin: Sie hat kein Recht, die unerklärlichen Anweisungen von oben per basisdemokratischem Volksentscheid zu ändern. Zentralkomitee, synodaler Weg und Lebenswirklichkeit hin oder her. Der Chef hat seine Wünsche mitgeteilt.

Solche Positionen, die im Grunde nur den Katechismus der Una Sancta wiedergeben, gelten im deutschsprachigen Raum mittlerweile als „ultrakonservativ“. Wer sie äußert, gehört zu den „schlechten Laien“. Das Vertrauen auf ewige Werte gilt nicht nur im säkular-konservativen Raum mittlerweile als anrüchig. Ähnlich wie in der Politik alle althergebrachten Werte in einer rechten Ecke verortet werden, geschieht ähnliches in der Kirche. Die Causa um den Schatzmeister der Jungen Alternative im Pfarrgemeinderat von Potsdam ist daher ein Paradebeispiel des liberalen Geistes, der hierzulande weht. „Liberal“, das bedeutet in der katholischen Welt dasselbe wie „liberal“ in den USA.

Es gibt keinen einzigen AfD-Funktionär im ZdK. Die Meinung dort ist klar. Die AfD ist rechtsradikal, keine Alternative, auf dem Katholikentag darf kein AfD-Vertreter sprechen. Daß der JF-Redakteur Christian Rudolf in ähnlicher Weise bei der Wahl zum Pfarrgemeinderat gemobbt wurde, entspricht dem guten Ton in jenen Kreisen, wo Ideologie längst wichtiger geworden ist als der Glaube an Jesus Christus, der Nationen, Geschlechter, Politik und Geschmäcker überwindet.

Furcht vor innerkirchlichen Kritikern

Anfang der Woche haben Sternberg und Kardinal Reinhard Marx den Fehdehandschuh in die Richtung des konservativen katholischen Milieus geworfen. Sternberg warnte nicht nur vor einer Unterwanderung durch Rechte in der Kirche, sondern griff auch explizit das Internetportal „kath.net“ und die traditionsreiche Tagespost an. Ihnen haftet der Makel an, als komplett unabhängige katholische Stimmen weder von Kirchensteuern abhängig zu sein, noch mit dem Mainstream zu kuscheln.

Chefredakteur Oliver Maksan reagierte prompt: Sternberg versuche, innerkirchliche Kritiker mundtot zu machen, indem man sie in die rechte Ecke stelle. Daß die Tagespost zudem kürzlich Unterstützung von Papa emeritus Benedikt XVI. erhielt, der eine Stiftung zu ihren Gunsten ins Leben rief, weckte Unbehagen. Nicht nur das kirchensteuerfinanzierte Onlineportal der Deutschen Bischofskonferenz, sondern auch die „Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands“ äußerten sich kritisch über eine Organisation, die ihren Nachwuchs nicht im Sinne der dominierenden liberalkatholischen Ideologie ausbilden könnte.

Kardinal Marx opfert dem Zeitgeist 

Der Begriff „Hexenjagd“ ist deswegen unpassend, weil spätestens am Montag ein offener Kampf entbrannt ist, der lange unter der katholischen Decke schwelte. „Unsere Wertschätzung von Tradition und Heimat droht durch rechtsnationale Akteure mißbraucht zu werden“, behauptete Marx. In Wirklichkeit hat aber Marx in seiner gesamten Amtszeit so gut wie nie irgendein gutes Wort über die Tradition oder die Heimat verloren, das ein solches Statement glaubwürdig machte. Er hat das Abendland als Begriff aufgegeben, wie er am Tempelberg sein Kreuz aufgab. Er opfert dem Zeitgeist, um seine eigene Position zu stärken, andockfähig zu bleiben. Er führt einen Konflikt nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der katholischen Gemeinde. Diesem Konflikt fällt nicht nur die Politik oder die Meinungsfreiheit zum Opfer – sondern der katholische Glaube selbst.

Denn wenn katholisch „allumfassend“ heißt, dann wird bei konservativen Christen, bei AfD-Anhängern, unabhängigen katholischen Journalisten und bei Besuchern der „alten Messe“ eine Ausnahme gemacht. Es ist, als wäre der kommunistische Bürgermeister Peppone Funktionär im Laienkomitee geworden, um den rechtgläubigen Priester Don Camillo aus seiner Position zu ekeln.

Kardinal Reinhard Marx (M) mit Thomas Sternberg (rechts), dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) Foto: picture alliance/dpa

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