Moderator Plasberg (r.) mit seinen Gästen Foto: „hart aber fair“/WDR-Screenshot
„hart aber fair“

Tanz um den heißen Brei

Es war das politische Aufregerthema der vergangenen Wochen: der Aufnahmestopp für Ausländer bei der Essener Tafel. Wer sich aber erhofft hatte, daß die Diskussion bei „hart aber fair“ ähnlich viel Zündstoff in sich birgt wie die vorausgegangene Debatte in den neuen und alten Medien oder daß es, in der Tafelrunde von Frank Plasberg, vielleicht sogar endlich einmal richtig ans Eingemachte und an den Kern des Problems geht, wurde allerdings enttäuscht.

Statt dessen gab es ein großes Drumherumreden, bei dem es alle Beteiligten wie selbstverständlich vermieden, die Dinge klar zu benennen, die tatsächlich zu der verzweifelten Maßnahme der ehrenamtlichen Helfer aus Essen geführt hatten. Praktischerweise war von der Essener Tafel selbst auch gar keiner da, der die politische Korrektheit und damit die öffentlich-rechtliche Debattenkultur hätte stören können.

Aus der Ruhrpott-Metropole, die ja immerhin Themengeber der Sendung war, gab es lediglich einen kleinen Einspieler, in dem Helfer und Kunden der dortigen Tafel berichteten, wie ältere deutsche Mitbürger bei der Essensausgabe von ausländischen Gästen brutal beiseite geschubst wurden und wie man sich von diesen ausländischen Gästen beschimpfen lassen mußte, wenn es beispielsweise keine weißen Brötchen gab oder das gewünschte Geflügelfleisch nicht vorhanden war. Das Wort Schweinefleisch wurde die gesamte Sendung lang ganz „halal“ vermieden.

Ausweichthemen statt Klartext

Überhaupt wurde nur wenig bis gar nicht auf die konkreten Probleme in Essen – und in der gesamten Republik – bei der Verköstigung der Wirtschaftsflüchtlinge aus größtenteils islamisch geprägten Ländern eingegangen. Und das, obwohl diese ja schon von staatlicher Seite gut versorgt werden. Trotzdem fühlte man sich stellenweise an frühere Fälle erinnert, bei denen beispielsweise in Düsseldorf Asylsuchende in einer Unterkunft Feuer legten, weil es für ihren Geschmack während des Ramadans zu wenig Nutella gab.

Natürlich war von solchen Geschichten in der ARD-Talkshow keine Rede. Dabei waren mit dem Chef der Wattenscheider Tafel, Manfred Baasner, und dem anpackenden Philanthropen Frank Zander durchaus Praktiker geladen, die die Debatte mit ein bißchen Klartext aus ihrem real erlebten Alltag hätten bereichern können. Statt dessen aber wurde die Diskussion auf Ausweichthemen verlagert, die nicht einmal zu echten Nebenkriegsschauplätzen taugten.

Ein wenig Zündstoff gab es dann aber doch. Nicht etwa, weil man doch noch eine wirklich asylkritische Stimme, wie den Essener AfD-Politiker und ehemaligen Sozialdemokraten Guido Reil, hätte zu Wort kommen lassen, sondern weil das Diskussionsruder nochmals deutlich in die andere Richtung überdreht wurde. Zu Wort kamen einmal mehr die führenden Nazikeulenschwinger der Republik, für die ein Deutscher niemals gut sein kann, und wenn er sich auch noch so sehr bemüht, Gutes zu tun.

„Kommandanten“ mit „Zuchtrute“

Plasberg zitierte den nie um einen „Nazi! Nazi“-Ruf verlegenen Leo Fischer, der im Neuen Deutschland mit Blick auf die Tafel-Helfer von „Kommandanten“ sprach, deren „Befehlen“ die „Braunhäutigen und Mandeläugigen“ „gehorchen“ müßten und die mit der „Zuchtrute“ dafür sorgten, daß „noch im Kampf um Müll“ (…) „Reih und Glied herrschen“. Das war so wirr, daß selbst Katja Kipping es nur unter dem Label der „Satire“ noch einigermaßen gutheißen konnte.

Zitiert wurde auch der Soziologe Stefan Selke, der behauptete, die Tafeln hätten sich „eigene Rechtsräume“ geschaffen. Er warf ihnen vor, ihre Hilfe an bestimmte Bedingungen zu knüpfen, obwohl diese doch bedingungslos sein sollte.

Noch einen drauf setzte die Redaktion mit einem Twitter-Zitat von Jutta Ditfurth, die in der Benennung der Probleme durch die Tafel-Mitarbeiter autoritäre Argumentationen sah und den freiwilligen Helfern unterstellte, es gehe ihnen darum, „andere herumkommandieren und demütigen“ zu können.

„Da platzt mir gleich der Hut“

Der Vorsitzende der Wattenscheider Tafel konnte darauf nur noch schwer an sich halten: „Da platzt mir gleich der Hut. So etwas Verrücktes habe ich ja noch nie gehört.“ Offenbar hatte der Tafelchef noch nicht viel von Jutta Ditfurth mitbekommen. Gäbe es einen Fernsehpreis für verrückte Kommentare, hätte die Alt-Linke ihn für ihre diversen Talkshow-Auftritte wohl schon öfter verliehen bekommen als Jopi Heesters zu Lebzeiten den „Bambi“.

Dennoch waren die eingespielten grotesken Äußerungen von Ditfurth und Co. aber im Gegensatz zum meisten, was im Studio gesagt wurde tatsächliche wertvolle Diskussionsbeiträge. Denn sie ließen endlich einmal für jedermann klar den Unterschied zwischen Gutmenschen und guten Menschen erkennen. Gute Menschen versuchen ganz konkret zu helfen und kommen dabei nicht um eine gesunde Portion Pragmatismus herum. Gutmenschen kritisieren und beschimpfen sie dafür und befeuern damit ganz nebenbei weiter die Nehmermentalität vieler vermeintlich bedürftiger Wirtschaftsmigranten.

Es hätte also eine angeregte Diskussion werden können, hätte man die selbstgefälligen Luxuslinken in die Talkshow eingeladen, statt nur ihre Zitate einzuspielen und ihnen Kontrahenten gegenübergesetzt, die den Umgang mit solchen Geistesleuchten gewohnt sind und den Ball aufgenommen hätten. All dies war von der „hart aber fair“-Redaktion aber offensichtlich genausowenig gewünscht wie die Benennung eben jener Probleme, die der eigentliche Auslöser der Debatte waren und um die im ARD-Studio eine Stunde lang politisch korrekt herumgetänzelt wurde.

Moderator Plasberg (r.) mit seinen Gästen Foto: „hart aber fair“/WDR-Screenshot

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