Grieche vor einer bemalten Hauswand
Grieche vor einer bemalten Hauswand: Der Euro hat das Land ruiniert Foto: dpa
Meinung

Humanitär wäre nur die Euro-Abschaffung

Was für ein Armutszeugnis! Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Nach dem „Nein“ der Griechen zu den Vorschlägen der Gläubiger für ein neues Sparprogramm fordert EU-Parlamentspräsident Martin Schulz ein humanitäres Hilfsprogramm für Athen. „Ich finde, wir sollten das griechische Volk nicht leiden lassen“, betont Schulz.

Bisher fielen solche Äußerungen nur in Verbindung mit Staaten der Dritten Welt. Burkina Faso, Niger und nun Griechenland? Schulz malt ein Bild von hungernden Kindern und darbenden Rentnern. Zur Erinnerung: Hier geht es um einen Mitgliedsstaat der EU. Es geht um ein Land, das seit seinem Beitritt zur Staatengemeinschaft etwa 500 Milliarden Euro erhalten hat. Kann es einen besseren Beweis für die Fehlkonstruktion des Euro geben?

Der Euro hat Griechenland in die Abhängigkeit getrieben

Schulz spielt nun die Solidaritätskarte: „Die Frage nach humanitärer Hilfe für Kinder oder Kranke ist eine Frage der Solidarität in der EU.“ Warum sollten Länder wie Slowenien, die Slowakei oder Estland solidarisch sein? Verarmte Rentner sind dort eher die Regel als die Ausnahme. Auch in Deutschland droht immer mehr Menschen die Altersarmut.

Griechenland hat sich selbst in den Ruin geführt. Es hat Geld ausgegeben, wo keines war. Es hat einen Staatsapparat aufgebläht, wo keiner gebraucht wurde. Korruption, Mißwirtschaft, wirtschaftsfeindliche Politik. Solange Brüssel und Berlin zahlten, konnte das gut gehen. Nun ist das Spiel aus. Der Euro hat das Land konkurrenzunfähig gemacht, er hat es in die Armut getrieben.

Die Griechen haben Brüssel, dem Internationalen Währungsfons und der Europäischen Zentralbank mit ihrem Referendum eine Ohrfeige verpaßt. Wenn das Land nicht weiter am Tropf der Troika hängen will, muß es den Euro verlassen. Es wäre der erste Riß in der Mauer der Gemeinschaftswährung.

Grieche vor einer bemalten Hauswand: Der Euro hat das Land ruiniert Foto: dpa

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