Rentenpaket

Wer zahlt, was Mütter leisten?

Mit Müttern habe man kein Mitleid, schrieb selbst der Herold des Sowjetsystems, Maxim Gorki, in seiner wunderbaren Novelle „Die Mutter“. Viele Mütter kennen das, und die Karikatur ist treffend, auf der eine Frau dem Beamten auf irgendeinem Amt sagt: „Erst hab ich meine vier Kinder großgezogen, dann die drei Enkel, dann hab ich mich um Obdachlose und Arme gekümmert und schließlich meinen alten Vater bis zuletzt gepflegt.“ Die Antwort des Beamten: „Sie haben also nicht gearbeitet.“

Diese Diskriminierung der Familienarbeit, der „Arbeit in der Welt der Sorge“, wie Norbert Bolz das einmal nannte, ist ungebrochen aktuell. Die Diskussion um die Mütterrente hat es erneut gezeigt. Zuviel, unnötig, nur belastend für die junge Generation, Klientelpolitik. Das waren noch die harmlosen Urteile. Daß es bei dieser Rentenangleichung auch um Gerechtigkeit für die Mütter und damit für die Familien geht, das war in der Diskussion kein Thema.

Wer soll diese Zukunft bezahlen?

Aber es ist der Kern dieser Maßnahme. Seit Jahrzehnten tragen Politiker und Verbände zum Muttertag die Losung auf den Lippen: Renten statt Rosen. Jetzt ist ein legitimer Wunsch mal Wirklichkeit geworden, und der Mainstream meckert. Es stimmt auch heute: Die Mütter sind es, die die Voraussetzungen schaffen, von denen der Staat lebt und die er selber nicht schaffen kann. Sie vor allem sind es, die das Humanvermögen bilden.

Die Arbeitswelt in Europa – Ernst Jünger qualifizierte sie einmal als totalitär – hat ein System geschaffen, in dem diejenigen am meisten von Kindern profitieren, die selber keine Kinder haben. Es ist ein Zukunftsthema, ob wir diesen Zustand der Ungerechtigkeit als schicksalhaft akzeptieren oder das Schicksal selber in die Hand nehmen wollen.

Denn natürlich ist die Frage berechtigt, wer diese Zukunft bezahlen soll? Es wäre nur gerecht, wenn die Mütterrente, hinter der eine gesellschaftspolitisch unverzichtbare Leistung steht, von der Gesellschaft insgesamt, also aus dem Steuertopf gezahlt würde.

Wir sind auf dem Weg zur Sockelrente

Dahin geht sowieso der Haupttrend. Schon heute wird von den 265 Milliarden Euro Rentenleistungen ein Drittel aus Steuermitteln beglichen, und der Anteil wird steigen, weil die Erwerbsbevölkerung schmilzt und die Rentnerbevölkerung wächst. Ab 2015 gehen rund 300.000 Arbeitnehmer mehr in Rente als auf den Arbeitsmarkt kommen, und bis Mitte nächsten Jahrzehnts wird dieser Trend zur Massenwanderung. Das gilt für die Rente insgesamt.

Wir sind auf dem Weg zur Sockelrente. Auch die Rente mit 63 verleiht diesem Trend einen kräftigen Schub. Deshalb kann man jungen Familien nur empfehlen, sich nicht ausschließlich auf die staatliche Säule zu verlassen, sondern selber vorzusorgen – sofern sie können.

JF 23/14

Die Mütter sind es, die die Voraussetzungen schaffen, von denen der Staat lebt Foto: picture alliance/Bildagentur-online/Ohde

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