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Waffenlieferungen an die Ukraine: „Nur warme Worte genügen nicht“

Waffenlieferungen an die Ukraine: „Nur warme Worte genügen nicht“

Waffenlieferungen an die Ukraine: „Nur warme Worte genügen nicht“

Roger Beckamp: Der AfD-Politiker stimmte für Waffenlieferungen an die Ukraine Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres
Waffenlieferungen an die Ukraine
 

„Nur warme Worte genügen nicht“

Die AfD hat im Bundestag mit großer Mehrheit gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine gestimmt. Einer der wenigen, die vom Fraktionsvotum abwichen, war der Bundestagsabgeordnete Roger Beckamp. Im Interview mit der JUNGEN FREIHEIT spricht er über seine Beweggründe, Sowjet-Nostalgie in der Partei und die Frage, wie dieser Krieg enden könnte.

Herr Beckamp, die AfD-Bundestagsfraktion hat beschlossen, die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine abzulehnen. Sie haben dennoch dafür gestimmt. Wieso?

Roger Beckamp: Die Ukraine wurde angegriffen, es ist legitim, daß sie sich verteidigt und dazu sind schwere Waffen erforderlich. Das verbessert auch die Verhandlungsposition für Friedensgespräche, die natürlich geführt werden müssen.

Denn eine wehrlose beziehungsweise schwache Position der Ukraine führte mutmaßlich zu einem Diktatfrieden, mit einem solchen Friedensschluß haben gerade wir Deutsche verheerende Erfahrungen gemacht. Zudem wären die Folgen wohl gerade auch für uns äußerst bedenklich, wie etwa weitere Flüchtlingsströme und dauerhaft wirtschaftlich schwierige Verhältnisse im Osten Europas.

Welche Reaktion gab es auf ihr abweichendes Votum?

Beckamp: Bürgerzuschriften reichten von sachlicher Kritik bis hin zu massiven Vorwürfen. Das war zu erwarten und ist auch nicht schlimm. Innerhalb der Fraktion waren die Gespräche äußerst sachlich. Es gab keinerlei Druck mit Blick auf mein angekündigtes Abstimmungsverhalten. Gerade das zeichnet unsere Fraktion aus.

„Durch den Angriff wurde eine Grenze überschritten“

Gegner von Waffenlieferungen verweisen darauf, daß solche einen Konflikt nicht beenden, sondern verlängern. Sollte der Diplomatie nicht Vorrang eingeräumt werden?

Beckamp: Im Gegenteil ist ein völlig ungleiches Stärkeverhältnis kein Grund, für die stärkere Seite zu verhandeln. Wenn Rußland weiß, daß es zunehmende Verluste erleiden wird, dann wird es eher bereit sein zu Verhandlungen. Diplomatie braucht eine Grundlage, eine Verhandlungsmasse. Nur warme Worte genügen meines Erachtens grundsätzlich nicht.

Ihr Partei- und Fraktionsvorsitzender Tino Chrupalla befürchtet, Deutschland könne durch solche Lieferungen zur Kriegspartei werden. Hat er nicht recht?

Beckamp: Das ist eine Definitionsfrage. Wir bemühen uns alle um gute Beziehungen zu Rußland, ich war gern Gast auf der Krim, wir wollen Krieg verhindern, aber durch den Angriff wurde eine Grenze überschritten. Und zwar nicht als erstes von Deutschland.

Die AfD hat vor der Invasion stets enge Kontakte zur russischen Regierung gesucht. War das im Nachhinein gesehen ein Fehler?

„Wir müssen auch weiterhin gute Kontakte zu Rußland suchen“

Beckamp: Wir müssen auch weiterhin gute Kontakte zu Rußland suchen, was aber nicht bedeutet, daß wir der russischen Regierung alles durchgehen lassen können.

Schaut man auf die AfD, entsteht der Eindruck, daß im Osten eher eine pro-russische Stimmung vorherrscht, während in den Westverbänden eher kritische Stimmen bezüglich Putin laut werden.

Beckamp: Das Gute an der Partei sind die verschiedenen alternativen Positionen zu den einheitlichen Hauptstrompolitikern. Verschiedene Teile unserer Partei gelangen aus jeweils für sich nachvollziehbaren Positionen zu unterschiedlichen Schlußfolgerungen. Einige Aussagen über „Antifaschismus“ oder, daß die Rote Armee uns ausschließlich befreit hätte, kann ich aber gar nicht nachvollziehen. Solche Aussagen liegen eher auf dem Niveau von Claudia Roth und Margot Käßmann.

Teilen Sie die Auffassung, russische Sicherheitsinteressen seien, etwa durch die Nato-Osterweiterung, nicht ausreichend berücksichtigt worden, was schlußendlich zu diesem Krieg geführt habe? Hat die russische Regierung nicht recht, wenn sie von einer Einkreisung durch die Nato spricht?

Beckamp: Das wird so sein, ist aber keine Rechtfertigung, zumal der Ukraine seitens der russischen Regierung dem Vernehmen nach die Volkseigenschaft als auch die Staatlichkeit abgesprochen werden.

Wäre es nicht überfällig, daß auch AfD-Parlamentarier in die Ukraine fahren?

Beckamp: Derzeit sehe ich dazu keinen Bedarf.

Wie wird dieser Krieg ihrer Meinung nach ausgehen?

Beckamp: Ich hoffe sehr, daß ein baldiger Frieden erreicht wird. Auch durch Waffenlieferungen kann hoffentlich erreicht werden, daß es nicht zu einem Diktatfrieden kommt. Mittelfristig kommt es dann hoffentlich zu einer Versöhnung der beiden slawischen Völker.

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Roger Beckamp, der Rechtsanwalt ist seit 2013 Mitglied der AfD, war von 2017 bis 2021 Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen (NRW) und zog bei der vergangenen Bundestagswahl über die Landesliste NRW in den Deutschen Bundestag ein.

Internetseite: https://beckamp.info 

Roger Beckamp: Der AfD-Politiker stimmte für Waffenlieferungen an die Ukraine Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres
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