Mann der Hoffnung

Die Wahl von Bernard Gaida zum ersten Mann der deutschen Heimatverbliebenen in der Republik Polen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Am 11. Mai wurde der fünfzigjährige Schlesier einstimmig zum neuen Vorsitzenden des VdG, des „Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen“ (www.vdg.pl) gewählt. Er ersetzt damit den wegen seiner autoritären Amtsführung und massiver Versäumnisse in der Kulturpolitik umstrittenen sechzigjährigen Henryk Kroll. Dieser war erst gar nicht mehr für einen Posten im VdG-Vorstand nominiert worden. Seine politische Zukunft sieht Kroll – wie so viele zweitrangige Funktionäre – auf europäischer Ebene, wenngleich seine Kandidatur für die polnische Bauernpartei bei der Europawahl am 7. Juni als wenig aussichtsreich gilt.

Zur stellvertretenden VdG-Vorsitzenden wurde Krystyna Plocharska, die Vorsitzende der Allensteiner Gesellschaft der Deutschen Minderheit, gewählt. Außerdem sitzen fortan Ryszard Galla, Norbert Rasch (Bezirk Oppeln), Agnieszka Neuwald-Piecha und Martin Lippa (Bezirk Schlesien), Renata Zajączkowska (Breslau), Krystyna Plocharska und Helmut Kurowski (Allenstein) im VdG-Vorstand.

Bernard Gaida ist verheiratet und Vater von drei Söhnen. Als Ingenieur für Holztechnik besitzt er eine eigene Handelsfirma im oberschlesischen Guttentag (Dobrodzień). Dort amtierte er lange Jahre als Stadtverordneter und saß außerdem im Kreisrat in Rosenberg und im Landtag des Bezirks (Woiwodschaft) Oppeln. Gaida wird schon deshalb eine kollegiale Amtsführung pflegen, weil die Entwicklung der Minderheitenstrukturen im letzten Jahr speziell in der Hochburg Oberschlesien eine Aufgabenteilung nahelegt. Neben dem neuen VdG-Chef gibt es mit Ryszard Galla als einzigem verbliebenem deutschen Sejm-Abgeordneten sowie dem dynamischen, erst 37jährigen Norbert Rasch aus dem Oppelner Schlesien zumindest zwei weitere Führungspersönlichkeiten.

Ähnlich wie Rasch sieht auch Gaida in der Schaffung von Schulen mit einem möglichst umfassenden Deutschunterricht ein vorrangiges Ziel. Er will sich vor allem um die „deutsche Identität der Minderheit“ und eine größtmögliche Ausschöpfung der minderheitenpolitischen Möglichkeiten der polnischen Gesetzgebung kümmern, ließ der bisherige Vorsitzende des Ausschusses für Identitätspflege und Jugend bei der Sozial-kulturellen Gesellschaft im Oppelner Schlesien verlauten.

Nach dem Vollzug des Generationenwechsels in der VdG-Führung müssen nun Nägel mit Köpfen gemacht werden – in der Bildungspolitik, in der Jugendarbeit und im Medienbereich ebenso wie bei der Aufstellung weiterer zweisprachiger Ortsschilder oder bei der Sicherstellung der schwindenden Finanzmittel. Allen Ernüchterungen der letzten anderthalb Jahrzehnte zum Trotz haben die Deutschen jenseits von Oder und Neiße endlich wieder Hoffnung auf Verbesserungen. Und das ist schon ein Erfolg.

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