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Der Erbe

Kärnten ist anders“, so hört man es nicht nur in Wien. Dieses Land, so meinte der vormalige SPÖ-Landeshauptmann Leopold Wagner, sei zuerst national und dann erst sozialistisch. „Kärntner Punschkrapferl“ seien sie, ätzten die Wiener Genossen: außen rot und innen braun. Das Land zwischen Großglockner und Karawanken wurde seit dem Kriegsende bis 1989 von Sozialdemokraten regiert – bis Jörg Haider die politischen Verhältnisse zum Tanzen brachte.

Doch auch das freiheitliche „Dritte Lager“ war hier – im Gegensatz zu den „Schwarzen“ – immer relativ stark. Gleich nach 1918 leitete Arthur Lehmisch, der „Kärntner Andreas Hofer“, den deutschen Abwehrkampf gegen die militärische Einverleibung großer Teile Kärntens in das gerade neugegründete Jugoslawien. Spätestens seit jener Zeit fühlt man sich dort von Wien entweder falsch verstanden oder unzureichend unterstützt.

Der neue Landeshauptmann, Gerhard Dörfler, 1955 in der Nähe von Klagenfurt geboren und am Dienstag im Landtag mit 23 von 36 Stimmen gewählt, steht geradezu exemplarisch für diese Kärntner Konstellation. Dörflers Vater stammt aus einer sozialdemokratischen Familie, er war LKW-Fahrer im Sägewerk des früheren FPÖ-Obmanns Reinhold Huber, Vater der Nationalratsabgeordneten Kriemhild Trattnig, die als Haiders „politische Ziehmutter“ galt. Dörflers Familie geriet immer mehr ins freiheitliche Umfeld. Vater Dörfler trat schließlich aus der SPÖ aus, die er als zu elitär empfand. Sohn Gerhard, der ebenfalls bei Huber arbeitete, trat der FPÖ bei und folgte 2005 Haider ins BZÖ.

Die „Haider-Koalition“ aus den Brüdern Scheuch (JF 12/05), Großbauern, die aus einer erzfreiheitlichen Familie stammen, und dem Arbeitersohn Dörfler versinnbildlicht die Zusammensetzung des BZÖ. Und sie erklärt, warum die SPÖ bei den Landtagswahlen auf 28,7 Prozent fiel. „Ich stamme aus kleinen Verhältnissen“, betont Dörfler immer wieder. Gerade das habe ihn mit seinem Mentor Haider verbunden, der den Brauereichef 2001 ins Kabinett holte. Nach dessen Tod wurde er zu seinem Nachfolger gewählt – doch nur im Landtag, erst am 1. März stand er als Spitzenkandidat auch dem Volk zur Wahl (JF 11/09).

Mögliche innerparteiliche Querelen, insbesondere um die Frage der Wiedervereinigung mit der FPÖ, sind von beiden Parteien vertagt worden, nachdem der Kärntner BZÖ-Chef Uwe Scheuch, der persönlich einer „CDU/CSU-Lösung“ positiv gegenübergestanden hatte, von der Bundespartei zu einer ablehnenden Haltung vergattert wurde. Zunächst ist Dörfler in der bequemen Lage, als glänzender Wahlsieger zwischen den Strömungen zu moderieren. Doch ist er im Grunde ein schwacher, wenig charismatischer Politiker. Wieviel Beliebtheit als Landesvater er sich tatsächlich erwerben kann, ist unklar. Klar ist dagegen, daß er zu unüberlegten Handlungen neigt. Und es gibt in seiner Partei „loyale“ Mitstreiter, die nur auf schwere Fehler warten.

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