Kieler Kaspertheater

In einem der kleinsten Bundesländer scheitert nach vier Jahren die Große Koalition – eigentlich kein Grund, bundesweites Aufsehen zu erregen. Und dennoch beschäftigen die Vorgänge in Kiel ganz Deutschland. Die Ursache dürfte nicht nur sein, daß Allzumenschliches wie Sympathien und Antipathien eine Rolle gespielt haben. Wie sehr die Gefühle mitspielten, konnte man am vergangenen Montag erkennen, als der Ministerpräsident im Landtag den Antrag auf vorzeitige Beendigung der Wahlperiode stellte. Sowohl der stellvertretenden Ministerpräsidentin Ute Erdsiek-Rave (SPD), die eine persönliche Erklärung abgab, als auch dem Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (CDU) zitterte die Stimme.

Solche Emotionsausbrüche aber reichen nicht aus, die Bedeutung des Vorgangs zu erklären. Er machte vielmehr deutlich, daß beide Lager – CDU wie SPD – nicht über Charaktere von einem Format verfügen, die in der Lage wären, Animositäten im Interesse des Landes souverän zu überwinden.

So wurde die längst zum Allgemeingut gewordene Erkenntnis bestätigt, daß der Bundesrepublik Deutschland auf dem Gebiet der Politik – und die ist hierzulande (leider) stets Parteipolitik – die großen Persönlichkeiten fehlen. Heraus kommt dann ein solches Kaspertheater wie jetzt in Schleswig-Holstein.

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