Grüner Rassismus

Ginge es nach dem Göttinger Grünen-Politiker Ulrich Holefleisch, hätte es bald ein Ende mit der in Mode gekommenen Diskriminierung des giftigen kaukasischen Riesen-Bärenklaus oder des Allergien auslösenden Traubenkrauts Ambrosia, denen man sogar mit amtlichen Vernichtungsfeldzügen beizukommen versucht. Denn schließlich brauchten diese „Bioinvasoren“, die heimischen Arten den Lebensraum streitig machen, doch ein Bleiberecht, darüber hinaus würden sie früher oder später auch heimisch. Ab wann — so wollte der empörte stellvertretende Stadtrats-Fraktionsvorsitzende der Grünen geklärt wissen — denn wohl ein Baum als „einheimisch“ gelte. Seine Kollegen im Bauausschuß, wo Holefleisch sein Plädoyer für eine botanische Multikulturalität vortrug, rollten dann aber doch mit den Augen, als er die Richtlinie, „einheimischen“ Bäumen und Sträuchern bei der Bepflanzung den Vorrang zu geben, als „rassistisch“ brandmarkte. Wie das Göttinger Tageblatt berichtete, erklärte Norbert Mattern als Fachbereichsleiter Stadtgrün und Umwelt dem entrüsteten Antirassisten und Professor für Pädagogik, daß als „einheimisch“ alle Pflanzen bezeichnet würden, die natürlich in der Region vorkämen. Doch diese sachlich-nüchterne Erklärung konnte Holefleisch wohl nicht überzeugen, der Bauausschuß mußte sich einer langwierigen Diskussion stellen. Schließlich ließ sich der CDU-Politiker Holger Welskop zu dem augenzwinkernden Kompromiß bewegen, neben Eschen, Erlen und Eichen künftig auch „Pflanzen mit Migrationshintergrund“ beim Begrünen des öffentlichen Raumes eine Chance zu geben.

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