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Kein Frieden in Sicht

Der einseitig beschlossene und nun vollzogene Rückzug der Israelis aus Gaza wurde weltweit als ermutigender Schritt in Richtung Frieden kommentiert. „Wir arbeiten daran, zum Friedensfahrplan zurückzukehren“, erklärte US-Präsident George Bush zu dem von Premier Ariel Scharon vollzogenen „mutigen und schmerzhaften Schritt“. Doch der erste Punkt der „road map“ sieht ein Ende des Terrors vor – damit ist nicht zu rechnen. Die Hamas hat verkündet, bis zur Zerstörung des Judenstaates weiterzukämpfen. Und nicht nur Palästinenserpräsient Mahmud Abbas, sondern auch US-Außenministerin Condoleezza Rice spricht von weiteren Schritten, die von den Israelis erwartet werden. Aber die großen Siedlungen im Westjordanland können nicht aufgegeben werden, ohne Jerusalem oder Tel Aviv in Reichweite leichter Waffen zu bringen. Nur 22 illegale kleine Siedlungen auf der Westbank werden noch geräumt – das reicht weder Hamas noch Abbas. Mit einer „dritten Intifada“ ist daher zu rechnen. Und darauf werden israelische Reaktionen von bisher beispielloser Wucht folgen, denn Scharon – der derzeit die Mehrheit des Wahlvolkes, nicht aber seiner Likud-Partei, hinter sich weiß – wird das berechtigte Gefühl haben, seinem Friedensschritt werde mit bluttriefender Undankbarkeit begegnet. Die Aufgabe der Gaza-Siedlungen (und der vier in Nordsamarien) war richtig – der Frieden wird damit aber nicht näherkommen. Der Stoff der Tragödie im Heiligen Land ergibt sich immer aus dem unlösbaren Zusammenprall zweier moralisch gleichermaßen berechtigter Positionen.

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