MÜNCHEN. Das Münchner Hotel Bayerischer Hof will sich nicht zu den Gründen äußern, warum es den libertären Verein „Ludwig von Mises Institut Deutschland“ für seine Jahrestagung künftig nicht mehr beherbergen wird. „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu dem von Ihnen angesprochenen Sachverhalt nicht äußern und daher von einer Stellungnahme absehen“, teilte eine Sprecherin des Fünf-Sterne-Hotels auf Anfrage der JUNGEN FREIHEIT mit.
Hintergrund ist ein Artikel der Münchner Abendzeitung von vergangener Woche, der offenbar Druck auf das Luxushotel ausübte. Dieses kündigte in der Folge an, das Ludwig von Mises Institut für dessen Jahreskonferenz zwar noch in diesem Jahr zu empfangen, allerdings für künftige Veranstaltungen auszuladen. Der Verein tagte dort seit 2013. Man habe nun die Geschäftsbeziehung „erneut und umfassend geprüft“ und betont, „seit jeher für Weltoffenheit, Toleranz, Vielfalt sowie die Grundwerte einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft“ zu stehen, zitiert die Zeitung das Hotel.
Zeitung lastet Verein Kontakte an
Angeblich habe eine „Vielzahl der inzwischen dokumentierten öffentlichen Äußerungen“ von Vertretern des Instituts dazu geführt, dass eine Aufrechterhaltung des Vertrags über 2026 hinaus „nicht mehr vertretbar“ erscheine, heißt es laut Bericht. Welche Aussagen das sein sollen, wollte das Luxushotel gegenüber der JF jedoch nicht verraten.
In dem Artikel wird den Institutsmitgliedern vorgeworfen, „Demokratiefeinde“ zu sein, unter anderem, weil sie von der AfD-Landtags- und -Bundestagsfraktion für Vorträge eingeladen worden waren. Zudem wird dem Verein angelastet, Kontakte zu Goldhändlern zu haben und dem staatsverschlankenden argentinischen Präsidenten Javier Milei einen Preis verliehen zu haben.
Weiter heißt es, das Ludwig von Mises Institut sei früher einmal am selben Standort registriert gewesen wie ein Unternehmen des 2021 verstorbenen Münchner Milliardärs August von Finck junior. Dessen Goldhandelsfirma galt als wichtiger Geldgeber und habe die AfD in der Gründungsphase finanziert. Obwohl das Unternehmen erklärte, solche Verflechtungen gehörten der Vergangenheit an, sollen diese auch das Institut belasten. Grund dafür seien wiederum mutmaßliche Verstrickungen der Familie Finck mit dem NS-Apparat.
Grüner will das Ludwig von Mises Institut geheimdienstlich überwachen lassen
Als argumentative Stütze werden im Artikel drei linke Wissenschaftler herangezogen sowie der grüne Münchner Oberbürgermeister, der sich besorgt äußerte, und ein grüner Landtagsabgeordneter, der das Institut vom Verfassungsschutz beobachtet sehen will.
Das zuständige bayerische Landesamt stellte jedoch klar, der Verein sei „kein Beobachtungsobjekt“. Erst eine „Aufforderung zu konkreten Aktivitäten“, die sich gegen die Abschaffung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung richteten, seien ein Beobachtungsgrund.
Wer Steuern als Raub ansieht, stelle den Staat in Frage, meint der Autor
In einem Kommentar auf derselben Seite offenbart der Autor des Textes seine Meinung. Dabei unterstellt er dem Verein, den aus einer jüdischen Familie stammenden Ökonomen Ludwig von Mises als „Schutzschild“ zu missbrauchen. Aus Sicht des Journalisten stellt jemand, der Steuern als Raub betrachtet, bereits „den Staat selbst in Frage – und damit Rente, Schule, Polizei und Justiz“. Dabei kritisiert er auch die gängige Praxis, wonach ein privater Verein Geld für privat finanzierte Veranstaltungen einnimmt.
Obgleich das Institut nie durch Gewaltaufforderungen auffiel, rückt der Autor es in die Nähe des Extremismus. Darüber hinaus seien die Libertären „nicht ungefährlicher als die Identitäre Bewegung und Martin Sellner“. (rsz)






