GENT. Die belgische Universität Gent hat den Aufklärer in der Plagiatsaffäre um den jüngst verstorbenen Ex-Cambridge-Professor Jason Arday (JF berichtete), Nathan Cofnas, vorläufig als wissenschaftlichen Mitarbeiter suspendiert. „Wir prüfen derzeit, ob ausreichende Gründe vorliegen, den Fall zur weiteren Prüfung an die zuständige Disziplinarinstanz weiterzuleiten“, teilte die Hochschule am Donnerstag mit.
In der Begründung betonte die Universitätsleitung, dass sie für die „Achtung der Menschenwürde“ stehe und sich „gegen Diskriminierung, Hass und Rassismus“ wende. „Wir messen der akademischen Freiheit und einer offenen akademischen Debatte große Bedeutung bei, auch wenn es sich um kontroverse Ansichten handelt.“ Diese Freiheit sei jedoch nicht unbegrenzt. „Sie geht mit Verantwortung einher und kann zum Schutz der Rechte anderer eingeschränkt werden.“ Aus diesem Grund nehme die Hochschule Cofnas’ Äußerungen zur Affäre Arday „sehr ernst“.
Cofnas selbst schrieb auf dem Kurznachrichtendienst X, er werde „mit fast hundertprozentiger Sicherheit“ gefeuert. Er betonte, die Entscheidung sei von Petra De Sutter getroffen worden. Der als Paul De Sutter geborene Rektor der Universität war von 2014 bis 2025 als Politiker der flämischen Grünen in verschiedenen Posten aktiv, zuletzt als stellvertretender Premierminister.
I was just suspended by Ghent University. They will almost certainly fire me.
The decision was made by rector Petra De Sutter, a former leader of the Green Party.
— Nathan Cofnas (@nathancofnas) August 20, 2026
Grünen-Chef Polanski fordert Presseregulierung
Arday war am Freitagabend tot in seiner Wohnung aufgefunden worden (JF berichtete). Medienberichten zufolge soll er sich nach seinem Rücktritt als Soziologieprofessor umgebracht haben. Nach seinem Tod organisierte die linke Vereinigung „Stand Up to Racism“ eine Mahnwache für den 41jährigen auf dem Londoner Trafalgar Square. Mehrere Redner und Teilnehmer warfen unter anderem Cofnas eine „erbarmungslose Kampagne“ vor. Auf einigen Transparenten war der Slogan „Rassistische Medien stoppen – jetzt“ zu lesen.
Zudem forderte der Vorsitzende der britischen Grünen, Zack Polanski, die Medien nach dem Tod Ardays verstärkt zu regulieren. „Dass einige wenige Milliardäre den Großteil der Presse besitzen und sich nach Belieben verhalten, hat nichts mit einer freien Presse zu tun. Die Wende kommt“, schrieb er auf X.
Andrew Neil really having a meltdown in real time.
What is it about some actual press regulation that sends them like this?
A few billionaires owning the majority of the press and behaving however they want is not a free press.
Change is coming. https://t.co/MaCurX0wn4
— Zack Polanski (@ZackPolanski) August 18, 2026
Arday beriet mehrere Institutionen
Auslöser der Affäre waren mehrere Plagiate Ardays, über die Cofnas auf seinem Substack-Blog zunächst berichtet hatte. Demnach habe bereits die Doktorarbeit des Soziologieprofessors eine andere Dissertation an zahlreichen Stellen ohne Quellenangaben zitiert. Seitdem stellten mehrere Medien auch Teile seiner Biographie in Frage. Nach eigenen Angaben sei Arday Autist, der im Alter von elf Jahren noch kein Wort gesprochen habe und bis zum 18. Lebensjahr Analphabet gewesen sei. Zudem gab er an, trotz Verletzung 30 Marathons in 35 Tagen absolviert zu haben.
Er war 2023 von der Hochschule zum jüngsten schwarzen Professor ihrer Geschichte berufen worden. Zu seinen Themen zählten unter anderem ethnische Minderheitenförderung im Bildungswesen sowie „Intersektionalität“. Zudem beriet er den Nationalen Gesundheitsdienst Großbritanniens und den größten britischen Privatsender ITV zu Themen wie Antidiskriminierungspolitik.

Cofnas hatte hingegen von 2022 bis 2025 als Philosophie-Doktorand an der Universität Cambridge gearbeitet, geriet aber aufgrund von Rassismusvorwürfen von 58 Studenten unter Druck. Anlass war ein Artikel, in dem er unter anderem ethnische Quoten an den US-Universitäten thematisiert hatte. „Unter einem farbenblinden System würden Schwarze nur 0,7 Prozent der Harvard-Studenten ausmachen“, schrieb er darin. Auf seinem Blog befasst sich der gebürtige US-Amerikaner regelmäßig mit der sogenannten Antidiskriminierungspolitik. (kuk)





