BERLIN. Die Berliner Volksbühne und der Verein Each One Teach One (Eoto) haben ihre umstrittene Schwimmveranstaltung ausschließlich für Schwarze abgesagt. Als Grund nannten die Veranstalter Sicherheitsbedenken nach angeblichen Drohungen und diskriminierenden Kommentaren. Das temporäre „Volksbad“ vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz sollte am Freitag von 12 bis 18 Uhr exklusiv Eoto zur Verfügung stehen (die JF berichtete).
Das hatte Kritik ausgelöst, weil das öffentlich finanzierte Becken ursprünglich als kostenloses Angebot für alle beworben worden war.
Eoto erklärte nun, die Veranstaltung sei nach der öffentlichen Debatte zum Ziel von Anfeindungen geworden. Man habe „rassistische Droh-E-Mails sowie Gewaltandrohungen und diskriminierende Kommentare auf Social Media“ erhalten. Die physische und psychische Sicherheit der Badegäste könne deshalb auch mit Polizei und Sicherheitskräften nicht gewährleistet werden.
Volksbühne lässt das Bad geschlossen
Für den Badebetrieb wird das Becken während der ursprünglich reservierten sechs Stunden dennoch nicht geöffnet, wie Volksbühnen-Intendant Matthias Lilienthal ankündigte. Er selbst wolle mittags vor Ort sein und Gespräche führen. Seit Dienstag war das Bad ohnehin geschlossen: Die Duschen sind kaputt.
Lilienthal verteidigte vorab gegenüber Medien das Konzept, einzelnen Gruppen zeitweise exklusiven Zugang zu gewähren. Damit werde das Berliner Antidiskriminierungsgesetz umgesetzt, sagte er dem RBB. Dieses gebiete geschützte Räume für Menschen mit Diskriminierungserfahrung. Für die abgesagte Veranstaltung mit Eoto soll es zu einem späteren Zeitpunkt Ersatz geben.
Kritik hatte zuvor unter anderem der Berliner FDP-Spitzenkandidat Christoph Meyer geäußert. Ein „Volksbad“, das Menschen nach ihrer Hautfarbe einteile, führe seinen Namen ad absurdum. Öffentliche Einrichtungen sollten Menschen zusammenbringen und nicht trennen.
Widersetzen-Sprecher verspottete Kritiker
In die Debatte hatte sich auch Suraj Mailitafi, Sprecher des Anti-AfD-Bündnisses „Widersetzen“, eingeschaltet. Er verurteilte die Kritik an der zeitweisen Aussperrung Nicht-Schwarzer und brachte für diejenigen, die das Angebot nicht gutheißen, eine Zahlung von 1,13 Millionen Euro sowie monatliche Antirassismus-Schulungen und Umerziehungsprogramme ins Spiel (mehr dazu in der JF).
Das 25 Meter lange Becken steht seit dem 7. August vor der Volksbühne und soll bis Anfang Oktober betrieben werden. Der Eintritt ist grundsätzlich kostenlos. (rr)






