BERLIN. Nach dem islamistischen Anschlag auf den CSD in Berlin haben auch die Veranstalter der Demonstration „Zug der Liebe“ den diesjährigen Umzug abgesagt. „Es gibt Jahre, in denen sich die Realität nicht durch bloßen Willen oder lauten Protest aushebeln lässt“, teilte der Verein am Donnerstag mit. Hintergrund seien demnach logistische Herausforderungen sowie „massive Auflagen“ infolge des Anschlags, darunter physische Wegfahrsperren, „lückenlose“ Personenkontrollen und eine aufgerüstete Polizeipräsenz. „Eine Demonstration unter dem aktuellen, allgemeinen Angstgefühl und derart restriktiven Rahmenbedingungen widerspricht der Grundidee der Veranstaltung fundamental.“
Die Demonstration, die linke Anliegen und Live-Technomusik verbindet, hatte vergangenes Jahr rund 10.000 Teilnehmer versammelt. Dieses Jahr sollte sie am 29. August stattfinden. Stattdessen planen die „Zug“-Veranstalter, sich dem am selben Tag stattfindenden Protest für den Erhalt des RAW-Geländes in Berlin-Friedrichshain anzuschließen. „Wir verschieben den Fokus dorthin, wo die Not der Berliner Subkultur aktuell am größten ist.“ Das Gelände beheimatet derzeit mehrere Technoklubs, Ateliers und Szenekneipen und gilt als Kriminalitätsschwerpunkt.

Dagegen soll eine andere Technoparade, „Rave the Planet“, wie geplant am 15. August stattfinden. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht. Wir haben gehört, was die Community will“, sagte der Gründer der zuständigen Organisation, Matthias Roeingh, gegenüber dem RBB. Der Umzug führt vom Brandenburger Tor bis zur Siegessäule auf der Straße des 17. Juni, die durch den Tiergarten führt.
Mehrere Städte in Europa verstärken CSD-Schutz
Am späten Samstagabend war dort ein Islamist zunächst mit einem weißen Transporter in die CSD-Besuchermenge gerast (JF berichtete). Anschließend verletzte er nach Angaben der Polizei mehrere Personen durch „Stichwerkzeuge“. Laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) handelte es sich dabei um eine Machete. Vor dem Anschlag filmte der Täter Abdul Ballout ein IS-Bekennervideo. Infolge des Anschlags starb eine 65jährige aus Polen, weitere 31 Personen wurden verletzt, darunter die Tochter des Todesopfers. Inzwischen sind alle Verletzten außer Lebensgefahr. Ballout wurde noch am Sonntag während eines Festnahmeversuchs erschossen (JF berichtete).
Nach dem Anschlag prüfen mehrere europäische Städte erhöhte Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der CSD-Veranstaltungen. Hamburgs Innensenator Andy Grote kündigte an, die bisherigen Maßnahmen noch einmal „sorgfältig“ zu überprüfen, um „ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten“. Dort soll der CSD-Umzug am kommenden Samstag stattfinden. Auch die Bürgermeisterin von Amsterdam, Femke Halsema, teilte mit, dass zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für die „WorldPride Amsterdam“ bei Bedarf ergriffen würden. Zudem soll der größte LGBTQ-Umzug Großbritanniens, „Brighton & Hove Pride“, von bewaffneten Polizisten geschützt werden. (kuk)






