BERLIN. Der Verfassungsschutz hat bundesweit 9.110 gewaltorientierte Islamisten erfasst (die JF berichtete). Sie gelten nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden als gewalttätig, gewaltbereit oder als Unterstützer islamistischer Gewalt. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 28.645 Islamisten in Deutschland gezählt. Die Zahlen bekommen nach dem Anschlag von Berlin neue Brisanz.
Der 21-jährige Abdul Ballout hat mit einem Auto eine Frau getötet und 25 weitere Menschen verletzt. Er wurde dem Umfeld des Islamischen Staates zugerechnet und war den Sicherheitsbehörden bereits bekannt.
Islam-Radikalisierung läuft im Netz
Der Verfassungsschutz warnt seit längerem vor der Rolle des Internets. Islamistische Propaganda verbreitet sich über soziale Medien schneller, direkter und mit immer geringeren Einstiegshürden. Internationale Terrororganisationen und salafistische Prediger erreichen damit auch Jugendliche und junge Erwachsene, die nicht mehr erst in einer Moschee oder einem festen Milieu angesprochen werden müssen.
Besonders der Islamische Staat setzt auf diese Form der Radikalisierung. Seine Propaganda liefert Feindbilder, Opfererzählungen und Handlungsanweisungen. Für Anschläge braucht es nicht zwingend eine große Terrorzelle. Einzeltäter können online bestärkt werden und dann mit Messern, Fahrzeugen oder anderen leicht verfügbaren Mitteln zuschlagen.
Das macht die Arbeit der Sicherheitsbehörden schwierig. Gefährder können observiert, Telefone überwacht und Netzwerke analysiert werden. Doch aus der Beobachtung entsteht nicht automatisch eine Inhaftierung. Solange kein konkreter Tatverdacht oder kein ausreichender Haftgrund vorliegt, bleiben viele Personen trotz bekannter Radikalisierung im Land und im Alltag der Bevölkerung.
Berlin zählt mehr als 900 gewaltorientierte Muslime
Wie groß das Problem vor Ort ist, zeigt Berlin. Der dortige Verfassungsschutz zählt knapp 2.600 Islamisten. Mehr als 900 von ihnen gelten als gewaltorientiert. Damit lebt allein in der Hauptstadt ein islamistisches Milieu, das größer ist als manche Kleinstadt.
Zu den größten Gruppen gehören gewaltorientierte Salafisten mit rund 350 Personen sowie Anhänger von Hamas und Hisbollah mit zusammen etwa 500 Personen. Hinzu kommen Einzelpersonen, lose Netzwerke und digitale Kontakte, die sich nicht immer klar einer Organisation zuordnen lassen.
Gesicherte Zahlen zu Anhängern des Islamischen Staates in Berlin gibt es nicht. Der Verfassungsschutz wertet islamistische Netzwerke, Internetinhalte und soziale Medien aus, observiert Gefährder und gibt konkrete Hinweise an Sicherheitsbehörden wie die Landeskriminalämter weiter. (rr)





