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Grüne Gender-Debatte: Wenn der linke Haken scheppert

Grüne Gender-Debatte: Wenn der linke Haken scheppert

Grüne Gender-Debatte: Wenn der linke Haken scheppert

Das Bild zeigt Anton Hofreiter von den Grünen. Er ist ein linker Politiker und boxt gerne.
Das Bild zeigt Anton Hofreiter von den Grünen. Er ist ein linker Politiker und boxt gerne.
Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter und ein paar Boxhandschuhe: Kampfsport verändert Menschen zum Guten. Foto: IMAGO / Revierfoto / KI Montage: JF
Grüne Gender-Debatte
 

Wenn der linke Haken scheppert

Der Grünen-Politiker bekennt sich gegen toxische-Männlichkeit-Pauschalurteile. Warum ausgerechnet er recht hat – und was der Boxsport damit zu tun hat.
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Anton Hofreiter ist niemand, der in der JUNGEN FREIHEIT oft gelobt wird – zu Recht. Linker Flügel der Grünen, keine neue Klimavorschrift ist ihm zu übertrieben, es kann für ihn gar nicht genug Migration aus der Dritten Welt geben. Ein Wehrdienstverweigerer, der seit Februar 2022 zu den lautesten Bellizisten des Bundestags gehört – wissend, dass er persönlich wohl nicht eingezogen werden wird. Und doch: Hofreiter ist lernfähig, denn seine aktuellen Äußerungen treffen zu.

Gegenüber dem Spiegel beklagt der Oberbayer, in weiten Teilen der politischen Linken werde „Männlichkeit automatisch mit dem Begriff ‘toxisch’ verbunden“. Progressive Kräfte böten „kein positives Bild moderner Männlichkeit“ an. Dass junge Männer mit den Grünen wenig anzufangen wissen, liege auch an diesen „Beschämungsdiskursen“, die 50 Prozent der Weltbevölkerung unter Generalverdacht stellten.

Hofreiter scheint nicht der einzige zu sein, für den hier etwas im Argen liegt. Vor zwei Wochen hatten mehrere grüne Bundestagsabgeordnete ein Manifest unter dem Titel „Moderne Männlichkeit“ veröffentlicht, in welchem sie beklagten, der Feminismus habe bislang zwar klargestellt, wie Männer nicht zu sein hätten – „nicht gewalttätig, nicht dominant, nicht unterdrückend“ –, ihnen aber kein attraktives Gegenangebot gemacht.

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In dieses Vakuum strömten nun „die alten Bilder zurück“, namentlich in Form von muskelbepackten Supermachos wie Andrew Tate. Das Gegenkonzept der Manifestverfasser, welches von 15 Grünen-Politikern, darunter die Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang, die EU-Abgeordnete Terry Reintke und der Bundestagsabgeordnete Julian Joswig, unterzeichnet wurde, sieht folgendermaßen aus: Männlichkeit könne sein, was immer man darunter verstehen wolle: „Du willst jeden Tag ins Gym gehen und achtest auf deine Ernährung? Hervorragend, dass du daran Spaß hast und gesund lebst. Mach das. Du willst für deine Familie sorgen können? Großartig. Das ist eine Form von Fürsorge, die Respekt verdient.“ Stärke sei also durchaus männlich, aber vor allem dann, wenn sich ihr Inhaber schützend vor andere stelle.

Ob sich davon irgendendein junger Mann überzeugen lassen wird, der nicht ohnehin schon links steht? In erster Linie ist das neue, frische Männlichkeitskonzept der Grünen ja vor allem eins: extrem beliebig. Wenn Männlichkeit irgendwie alles sein kann, dann ist sie zugleich eigentlich nichts. Lustiger Nebenfakt: Innerhalb der Grünen war selbst das bereits zu viel. Wenige Tage nach der Manifestveröffentlichung beschwerten sich Abgeordnete während einer Fraktionssitzung, bei dem Text handele es sich um einen Schritt zurück in der Debatte.

„Pendeln, meiden, abtauchen, kontern“

Bei Hofreiter hat man hingegen das Gefühl, er habe tatsächlich etwas verstanden. Oder, dass er es bald wird. Spötter würden ihm unterstellen, dass er seine Sprüche nur klopfe, um ein paar Wählerstimmen abzusahnen – und das mag sein. Auch ist Hofreiters Behauptung, aus einer Arbeiterfamilie zu kommen, weit hergeholt für jemanden, dessen Vater als Ingenieur bei einem mit Steuermitteln finanzierten Institut gearbeitet hat. Und dennoch:  Etwas unterscheidet Hofreiter von denen Kollegen. Denn er boxt seit zwei Jahren, und das verändert Menschen zum Besseren. Der Autor kann davon ein Lied singen.

Kaum eine Sportart formt den Charakter mehr als der klassische Faustkampf. Im Sparring, also einer simulierten Kampfsituation, schaltet der Kopf auf Autopilot. „Der ist links offen. Scheiße, das tat weh, bloß nichts anmerken lassen. Noch 15 Sekunden. Pendeln, meiden, abtauchen, kontern.“ Mehr denkt man in diesen drei Minuten pro Runde nicht. Nach einer Stunde sieht man aus, als wäre man mit Klamotten in einen Pool gesprungen, so sehr schwitzt man bei all den Liegestützen, dem Schattenboxen, den endlosen Intervalläufen. Jeder mit Kampfsporterfahrung kennt den beißenden Schweißgeruch, der durch die Hallen eines Boxstudios wabert. Jeder kennt die freundschaftliche und kameradschaftliche Atmosphäre, wenn ein weitaus erfahrenerer Athlet völlig selbstverständlich kostenlose Tips anbietet. „Jeder hat mal angefangen“, ist so eine typische Boxer-Weisheit.

Wildes Wechselbad der Gefühle

Gerade junge Männer, die nicht aus einem gewalttätigen Elternhaus oder einem Problembezirk kommen, lernen hier zum ersten Mal, dass von einem Ding auf die Nase nicht die Welt untergeht. Dass man Ängste überwinden kann. Aber auch, dass man niemanden unterschätzen sollte. Es gibt ausgemergelte 15jährige mit Aknegesichtern und Zahnspange, die einen muskulösen 35jährigen gnadenlos zusammenfalten können. Wer mal – in einer sicheren Umgebung, wo jederzeit aufgegeben werden kann und wo man dem Gegner hinterher fair die Hand gibt – von jemandem verhauen wurde, der nicht mal ein Bier im Geschäft kaufen kann, wird bescheidener und demütiger.

Auf der anderen Seite: Wer die ersten Monate voller Niederlagen übersteht und zum ersten Mal einen Gegner im Ring dominiert, erlebt ein Glücksgefühl und verspürt einen Stolz, der kaum zu überbieten ist. Auch der erste richtige Wettkampf – mit Publikum, Ringarzt, Ringrichtern und allem Drum und Dran – ist ein Meilenstein für jeden Hobbyboxer. Selbst, wenn man krachend verliert. „Ich hatte Todesangst. Aber ich habe mich überwunden“, ist für viele ein großer persönlicher Sieg – auch über das rein Sportliche hinaus.

Chapeau, Herr Hofreiter

Wäre Boxen ab der ersten Klasse im Schulsport verpflichtend, die Gewaltkriminalität würde vermutlich massiv einbrechen. Wenn ein Aggressor immer daran denken muss, dass der andere womöglich seit Jahren im Ring steht, überlegt er es sich vermutlich zweimal, ob er eine Prügelei beginnt. Außerdem sind Boxer weniger anfällig für sozialistische Ideen, weil sie im Training erleben, dass man im Ernstfall auf sich allein gestellt ist und dass man Lernfortschritte nicht einfach umverteilen kann. Würden mehr Leute boxen, würde pauschale Männerbeschimpfung auf weniger fruchtbaren Boden fallen.

Dass Hofreiter mit Mitte 50 mit einer der forderndsten Sportarten überhaupt anfängt, verdient nichts als Respekt. Vielleicht steckt er ja ein paar Parteifreunde mit seiner neuen Leidenschaft an und verändert die Grünen so zum Besseren. Denn eine Umwelt-Partei ohne absurde Gender-Debatten hätte durchaus Potential. In diesem Sinne: Weitermachen, Herr Hofreiter. Sport frei!

Aus der JF-Ausgabe 30/26.

Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter und ein paar Boxhandschuhe: Kampfsport verändert Menschen zum Guten. Foto: IMAGO / Revierfoto / KI Montage: JF
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