BERLIN. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Baden-Württemberg hat beim Landgericht Frankfurt gegen die Initiatoren des Verius-Immobilienfinanzierungsfonds auf Schadensersatz geklagt. Die KV gehe von einem Verlust in Höhe von 44 Millionen Euro aus, berichtete das Handelsblatt am Sonntag. Die Klage richte sich unter anderem gegen die Bank Hauck Aufhäuser Lampe, den Fondsdienstleister Hauck Aufhäuser Fund Services und den Schweizer Fondsberater Verius Capital.
Die KV sei aber nicht der einzige Kläger. Auch die gesetzliche Krankenkasse Gildemeister Seidensticker BKK aus Bielefeld habe einen Verlust in Höhe von sechs Millionen Euro erlitten und sei der Klage gegen Hauck Aufhäuser und Verius beigetreten.
Bereits kurz vor Weihnachten sei beim Landgericht Frankfurt eine Klage der Kaufmännischen Krankenkasse aus Hannover, der Pronova BKK und der KV Hessen eingegangen. Gemeinsam hätten sie rund 80 Millionen Euro durch die Investition verloren. Somit steigt mit den neuen Klagen die Summe der Verluste des öffentlichen Gesundheitswesens auf mindestens rund 130 Millionen Euro.
Fonds bereits seit 2022 eingefroren
Der Verius-Immobilienfinanzierungsfonds ist nachrangig. Heißt: Wenn also der Bauherr pleitegeht, bekommen die normalen Banken zuerst ihr Geld zurück, während Verius ganz hinten in der Schlange steht. Insgesamt wurden 1,2 Milliarden Euro in den Fonds investiert. Dieses Geld wurde teilweise mit Zinsen in Höhe von 15 Prozent an Projektentwickler auf dem deutschen Immobilienmarkt weitergegeben.

Bereits 2022 wurde der Fonds eingefroren, nachdem zahlreiche Projektentwickler ihr verzinstes Darlehen nicht zahlen konnten. Von den 1,2 Milliarden Euro seien inzwischen 96 Prozent verloren gegangen.
Kassen tätigten riskante Investitionen
Nach dem Sozialgesetzbuch darf das Geld nur möglichst sicher angelegt werden, Verluste sollen dabei weitgehend ausgeschlossen sein.
Der Fondsdienstleister von Hauck Aufhäuser Lampe habe jedoch eine Zweckgesellschaft in Luxemburg namens „Securo Pro Lux“ gegründet und über diese Anleihen platziert. Durch diese Struktur habe die Investition weniger riskant gewirkt. Die Bewertungsagentur „Creditreform“ stufte das Risiko der Anleihe als mittel ein und hielt sie für vorsichtige Anleger für geeignet.
Das Gesamtvolumen der Anleihen betrug 550 Millionen Euro. Bis zu 20 Kassen sollen zum Investorenkreis gehört haben. (mas)





