Anzeige
Anzeige
AfD Bundestagsfraktion, Spritpreise, Steuern runter

AfD-Chaos und Mediatoren-Einsatz: Werdet endlich erwachsen

AfD-Chaos und Mediatoren-Einsatz: Werdet endlich erwachsen

AfD-Chaos und Mediatoren-Einsatz: Werdet endlich erwachsen

AfD-Versammlung (Symbolbild): Öffentliche Selbstdemontage. Foto: picture alliance / CHROMORANGE | MICHAEL BIHLMAYER Erwachsen ist anders.
AfD-Versammlung (Symbolbild): Öffentliche Selbstdemontage. Foto: picture alliance / CHROMORANGE | MICHAEL BIHLMAYER Erwachsen ist anders.
AfD-Versammlung (Symbolbild): Öffentliche Selbstdemontage. Foto: picture alliance / CHROMORANGE | MICHAEL BIHLMAYER
AfD-Chaos und Mediatoren-Einsatz
 

Werdet endlich erwachsen

Seit Jahren arbeitet die AfD an ihrer Professionalisierung, macht respektable Sacharbeit in den Parlamenten und will bald erste Regierungen übernehmen. Umso unverständlicher und verstörender muss es für die Bürger wirken, wenn sie sich nun vor den Augen der Öffentlichkeit in innerparteilichen Exzessen zerlegt. Ein Kommentar.
Anzeige

Es gibt wohl niemanden in der AfD, der glaubt, die Partei habe auf dem Aufstellungsparteitag zur Landesliste in Nordrhein-Westfalen ein gutes Bild in der Öffentlichkeit abgegeben. Schreiattacken, Stinkefinger, gegenseitige Gewaltvorwürfe, offensichtliche Fake-Kandidaturen, um den Parteitag zu lähmen, ausgefallene Zählmaschinen, angebliche Drohungen vor Wahlgängen. Alles daran ist peinlich für eine Partei, deren ausgesprochenes Ziel es ist, dieses Land zu regieren. Vor allem, weil der Bundesparteitag in Erfurt zeigte, dass es auch anders geht. Auch da gab es knappe Kampfkandidaturen, auch da gab es Absprachen innerhalb der verschiedenen Lager und doch ging alles gesittet über die Runden.

Lesen Sie hier einen Hintergrundbericht zum Chaosparteitag der AfD in NRW
Lesen Sie hier einen Hintergrundbericht zum Chaosparteitag der AfD in NRW

Der AfD von 2014 oder 2015 hätte man es nicht übelnehmen können. Sie war im Wachsen begriffen, suchte nach ihrer Ausrichtung und zog – wie alle neuen Parteien in allen politischen Spektren – Glücksritter an. Es wäre zu viel gesagt, dass solche Zustände dann eben dazugehören, aber sie lassen sich nun einmal schwer verhindern. Auch, weil das deutsche Parteienrecht zur innerparteilichen Demokratie verpflichtet. Im Zweifel kann dann eben auch der chancenloseste Kandidat noch seinen Hut in den Ring werfen und minutenlang im Scheinwerfer der Öffentlichkeit für dieses oder jenes Amt kandidieren.

Die Krise des Landes ist existenziell

Doch wir haben nicht mehr 2015, sondern 2026. Das Land ist in einem elenden Zustand und es wird absehbar nicht besser. Wir machen uns noch gar keine Vorstellung davon, wie sehr der wirtschaftliche Niedergang diese Gesellschaft treffen wird. Welche krassen Auswirkungen das haben wird. Jeden Tag gehen allein in der Industrie, der Lebensader Deutschlands, 500 Arbeitsplätze verloren. Für immer.

Rettung ist nicht in Sicht. Die Regierung ist am Ende ihres Lateins, dilettiert nur noch von Haushaltsloch zu Haushaltsloch. Die Schuldenlast steigt unentwegt und erstickt den Handlungsspielraum der kommenden Generationen. Den 70jährigen Kanzler interessiert das nicht.

Viele Bürger setzen große Hoffnungen in die AfD

Deswegen ist die AfD auch seit Monaten in den Umfragen stärkste Kraft. Eine Alleinregierung in Sachsen-Anhalt ist in greifbare Nähe gerückt. Wer hätte das vor zehn Jahren gedacht? Für immer mehr Wähler ist die Partei von Alice Weidel und Tino Chrupalla nicht nur Wut-Ventil und Protestpartei, sondern Ausdruck echter Hoffnung auf Veränderung. Ob sie das auch umsetzen kann, könnte sich nur allzu bald zeigen.

Umso unverständlicher ist das, was da in Marl am Wochenende passierte. Dabei ist es komplett zweitrangig, wer gegen wen intrigiert haben soll oder wer angeblich vom Stuhl geschubst wurde. Das interessiert nur einen kleinen Teil der Partei. Nämlich den, der da involviert ist. Selbst auf die Mehrheit der rund 75.000 AfD-Mitglieder muss das irritierend bis abstoßend wirken.

Wie ein zerstrittener Kleingartenverein

Aber das ist eben das Problem von Parteien, die sich wie die AfD längst in der Fläche, den Landtagen und im Bundestag etabliert haben. Man verliert ein wenig das Gespür für das, was wirklich wichtig ist. Der SPD wird diese Realitätsentkopplung absehbar und hoffentlich die Existenz kosten. Die AfD sollte den gleichen Fehler nicht wiederholen. Dass jetzt sogar der Bundesvorstand der Partei mittels Pressemitteilungen in den Konflikt im größten Landesverband der Partei intervenieren muss, ist kein Zeichen der Stärke oder fortgeschrittenen Professionalisierung.

Im Gegenteil, die hilflose Herbeirufung irgendwelcher „Mediatoren“ lässt die Partei wie einen zerstrittenen Kleingartenverein wirken, der sich jetzt doch bitte, bitte im Bällebad liebhaben soll. Trotzdem kann man den nicht zu beneidenden Schlichtern nur Erfolg wünschen. Sollten sie erfolgreich sein, winkt der Friedensnobelpreis.

Der Druck auf AfD-Politiker ist immens

Natürlich muss man der Partei zugutehalten, dass das Sperrfeuer aus Politik, Medien und selbsternannter, vom Staat hochgerüsteter „Zivilgesellschaft“ seine Spuren hinterlässt. Wer für die AfD kandidiert oder in einem Parlament sitzt, muss mit Anfeindungen und Gewalt rechnen. Wer sein Mandat verliert, hat es oft schwer, in der Privatwirtschaft wieder Fuß zu fassen. Im Zweifel kommt dann eben der Verfassungsschutz vorbei und stellt die Leute an den Pranger.

Oft bleiben dann nur die Partei und ihre Fraktionen als Jobalternative übrig. Niemand hat Lust, im Bürgergeld zu versauern. So schaukeln sich Konflikte schnell hoch. Andere Parteien können ihre abgewählten Funktionäre in mit Steuermillionen gepamperten Stiftungen oder Bundesbehörden parken. Die AfD kann das nicht. Das kann man beklagen oder den Sumpf der anderen trockenlegen, wenn man selbst an der Regierung ist. Nur dazu muss man eben auch das Vertrauen von genügend Bürgern – und im härtesten Fall einer Mehrheit – gewinnen.

Der Blick auf die Sacharbeit wird verstellt

Innerparteiliche Exzesse wie jetzt in Nordrhein-Westfalen sind dafür nicht hilfreich. Sie verstellen den Blick auf die ja in der Tat vorhandene gute und seriöse Sacharbeit, die die AfD landauf, landab durchaus in den Parlamenten leistet und über die diese Zeitung auch berichtet.

Wer hätte gedacht, dass man der Partei heute noch zurufen muss, was sie eigentlich seit zehn Jahren beherzigt haben wollte: Werdet endlich erwachsen.

AfD-Versammlung (Symbolbild): Öffentliche Selbstdemontage. Foto: picture alliance / CHROMORANGE | MICHAEL BIHLMAYER
Anzeige
Anzeige

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles