BERLIN. Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat den möglichen Abbau von zehntausenden Arbeitsplätzen bei Volkswagen zum „Ergebnis der Bildungspolitik“ erklärt. „In den 80er Jahren hatten wir die besten Ingenieure der Welt. Das ist schon lange nicht mehr der Fall“, schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst X am Freitag. „Wenn die Bildung nicht besser wird, geht der Abstieg weiter.“
Der Wolfsburger Autokonzern erwägt, vier Werke in Deutschland zu schließen (JF berichtete). Bis 2031 könnten unter anderem Fabriken in Zwickau und Emden geschlossen werden. Insgesamt würden dadurch bis zu 100.000 Stellen wegfallen. Konzernchef Oliver Blume begründete den verschärften Sparkurs mit den veränderten Rahmenbedingungen. Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen und die wachsende Konkurrenz aus China setzten Volkswagen demnach unter Druck.
Lauterbach warb in der Corona-Krise für Schulschließungen
Lauterbach war von 2021 bis 2025 Gesundheitsminister in der Ampel-Bundesregierung und zuvor jahrelang für Gesundheitspolitik in der SPD-Fraktion zuständig. Während der Corona-Krise hatte er für Schulschließungen plädiert, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Erst im Januar 2023 erklärte Lauterbach, sie seien ein Fehler gewesen. „Damals wurde das aber von den Wissenschaftlern, die die Bundesregierung beraten haben, angeraten“, betonte er zugleich.
Laut dem „IQB-Bildungstrend 2024“ der Humboldt-Universität Berlin hatten sich die Lese- und Mathematikkompetenzen der deutschen Neuntklässler seit 2018 flächendeckend verschlechtert (JF berichtete). Als eine der Ursachen hatten die zuständigen Experten die Schulschließungen während der Corona-Krise genannt: „Dieser Einschnitt könnte ihre Entwicklung stark beeinträchtigt haben und auch noch vier Jahre später nachwirken.“ (kuk)






