Anzeige
Anzeige

SPD in der Bredouille: Der Fördergeldskandal aus Hannover geht in die nächste Runde

SPD in der Bredouille: Der Fördergeldskandal aus Hannover geht in die nächste Runde

SPD in der Bredouille: Der Fördergeldskandal aus Hannover geht in die nächste Runde

Steuergeld. Das Bild zeigt die SPD-Lokalpolitikerin aus Hannover, Hülya Iri.
Steuergeld. Das Bild zeigt die SPD-Lokalpolitikerin aus Hannover, Hülya Iri.
Die SPD-Lokalpolitikerin Hülya Iri zwischen viel Geld und Immobilien: Mutmaßlicher Subventionsbetrug belastet ihre Partei. Quelle: Instagram Grafik: JF
SPD in der Bredouille
 

Der Fördergeldskandal aus Hannover geht in die nächste Runde

Neue Details zum mutmaßlichen Subventionsbetrug einer SPD-Politikerin aus Hannover zeigen, mit was für einer kriminellen Energie dort vorgegangen wurde. Die SPD hat Hinweise lange ignoriert – das könnte sich jetzt rächen.
Anzeige

Die SPD Hannover kommt nicht zur Ruhe. Deren ehemalige stellvertretende Fraktionschefin im Rat der Landeshauptstadt, Hülya Iri, steht im Zentrum eines handfesten Skandals, der nicht nur sie, sondern die ganze niedersächsische Landespartei schwer beschädigt. Es geht um familiäre Verstrickungen, Macht, viel Steuergeld – und um Integration (JF 17/26). Doch von vorn.

2018 gründet Iri – seit 2014 auch Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen“ – den Verein „Integrationsarbeit Kronsberg e.V.“, 2019 erfolgt die offizielle Eintragung. Zwischen dem 1. Januar 2023 und dem 31. Dezember vergangenen Jahres bewilligt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) dem Verein 924.479 Euro für das „Respekt Café Kronsberg – Hannover“. Tatsächlich ausgezahlt werden bis Ende Juni vergangenen Jahres knapp 740.000 Euro, wie die Bundesregierung auf Anfrage der AfD mitteilte. Weitere 350.000 Euro kamen vom Land Niedersachsen; die Region Hannover zahlte dem Verein 9.000 Euro. Auch das SPD-geführte Landessozialministerium bewilligte 54.558 Euro, gestreckt über zwei Jahre. Konkrete Projekte wurden davon nicht durchgeführt – zumindest keine, die belegbar sind. Lokalmedien zufolge berichten Anwohner von meist verschlossenen Türen vor dem „Respekt Café“.

Inzwischen hat das Amtsgericht Hannover ein Insolvenzverfahren eingeleitet, kurz darauf gibt Iri ihr Mandat im Stadtrat ab und ließ ihre SPD-Mitgliedschaft ruhen, aus gesundheitlichen Gründen, wie sie betont. Ihre Tochter Esma Bozdemir, bis zuletzt Vorsitzende des Vereins, tut dasselbe – auch sie bekleidete mehrere lokale Parteiämter.

Insolvenzverwalter tappen im Dunkeln

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun, ob das Fördergeld dafür genutzt wurde, um Immobilien zu kaufen. Denn Bozdemir besitzt mehrere Immobilien in Hannover, wie die JUNGE FREIHEIT im April aufgedeckt hatte. Wie der Spiegel nun unter Berufung auf den Insolvenzverwalter Joachim Heitsch berichtet, wurden jedoch keine hohen Einzelbeträge von den beiden Vereinskonten abgehoben. Was dennoch auffällt: der Verein überwies – ebenfalls laut dem Spiegel – monatliche Honorare an Iri, die rasant stiegen. Waren es anfangs noch 1.000 Euro, wuchs dieser Betrag 2022 auf 4.300 Euro und ab November 2024 – inzwischen ist Bozdemir Vereinsvorsitzende – 7.680 Euro. Bozdemir erhielt insgesamt 155.000 Euro, über mehrere Jahre verteilt. Das Nachrichtenmagazin kommt so auf „mindestens 685.000 Euro“, die Mutter und Tochter sich an Gehältern ausgezahlt haben sollen.

Jetzt das JF-WM-Abo bestellen.

Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung, Iri und Bozdemir ließen einen ausführlichen Fragenkatalog dieser Zeitung unbeantwortet. Mehrere Medien berichteten übereinstimmend, dass die Insolvenzverwalter im „Respekt Café“ keinerlei Dokumente gefunden hätten, die auf ein aktives Vereinsleben mit Projekten und Ausgaben hindeuteten – lediglich alte Aktenordner.

Landes-Vize sieht „keinen Zusammenhang zwischen dem Verein und der SPD“

Ein Blick auf die Kontakte Iris gibt Hinweise darauf, wie es so weit kommen konnte: Denn Iri war für eine Lokalpolitikerin bestens vernetzt. So setzte sich etwa Doris Schröder-Köpf – Ex-Frau des Altbundeskanzlers, Landtagsabgeordnete für die Sozialdemokraten in Niedersachsen und von 2013 bis 2022 Migrationsbeauftragte des Landes – persönlich für Iri ein. In einem Empfehlungsschreiben vom März 2018 an den damaligen Sozialstaatssekretär Heiger Scholz, das der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vorliegt, nennt sie Iri ein „Vorbild für langzeitarbeitslose Frauen mit Migrationshintergrund, da es ihr als alleinerziehende Mutter durch Projekte der Landeshauptstadt gelungen ist, im Berufsleben Fuß zu fassen“. Insgesamt soll Schröder-Köpf sieben ähnliche Schreiben an verschiedene Stellen verschickt haben.

Hinweise, wonach beim Verein „Integrationsarbeit Kronsberg“ nicht alles mit rechten Dingen zugehe, ignorierte Schröder-Kopf – ebenso wie der Bundestagsabgeordnete und Vize der Landes-SPD, Adis Ahmetovic. Dessen Büro wurde bereits im Dezember vergangenen Jahres erstmals schriftlich auf die Vorwürfe rund um Iri und Bozdemir hingewiesen. Auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT, ob diese geprüft worden seien, antwortete ein Sprecher, es bestehe „kein Zusammenhang zwischen dem Verein und der SPD“. Für alle Funktionsträger der SPD gälten „klare, verbindliche Verhaltensregeln“, vor allem für „den sorgfältigen Umgang mit öffentlichen Mitteln“.

Aus der JF-Ausgabe 27/26.

Die SPD-Lokalpolitikerin Hülya Iri zwischen viel Geld und Immobilien: Mutmaßlicher Subventionsbetrug belastet ihre Partei. Quelle: Instagram Grafik: JF
Anzeige
Anzeige

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles