LONDON. Eine „Deradikalisierungsagentur“ des britischen Innenministeriums soll die Hinterbliebenen des ermordeten und wegen falscher Rassismusvorwürfe festgenommenen Henry Nowak beeinflusst haben, um Ausschreitungen zu verhindern. Die Regierungsbehörde „Research, Information and Communications Unit“ (RICU) habe sichergestellt, „dass das für die Familie zuständige Betreuungsteam umfassend informiert“ gewesen sei, sagte eine anonyme Quelle der Daily Mail am Samstag. Demnach ähnele ihre Stellungnahme denen anderer Familien in „brisanten Situationen“. Man könne die „Handschrift“ der Agentur darin erkennen.
Zudem arbeite die RICU mit der nordirischen Polizei zusammen, um Personen aufzuspüren, die zu Protesten nach einem versuchten Messermord in Belfast (JF berichtete) aufrufen. Ebenso entwerfe sie „strategische Botschaften“ für die Beamten, um die Teilnehmer der Demonstrationen als „unsympathische Kriminelle“ darzustellen und damit eine „Verhaltensänderung“ durchzusetzen. Dem Boulevardblatt zufolge beklagen interne Regierungsquellen, die Behörde sei inzwischen „außer Kontrolle“ geraten. So hatte sie sich unter anderem gegen ein Ende der Registrierung von „Hassrede“ unterhalb der Strafbarkeitsgrenze gestellt (JF berichtete).

Die RICU war 2007 als Teil des Extremismuspräventionsprogramms „Prevent“ gegründet worden und ist für strategische Krisenkommunikation zuständig. Nach einem islamistischen Terroranschlag in London im Jahr 2017 hatten deren verdeckte Mitarbeiter unter anderem Blumen am Tatort niedergelegt. Laut Daily Mail sei das Ziel gewesen, eine Atmosphäre der „Trauer“ statt „antiislamischer Wut“ zu schaffen. Zudem nutze sie häufig soziale Netzwerke, um Debatten in bestimmten Zielgruppen zu beeinflussen.
Henry Nowak kam im Dezember um sein Leben
Nach dem Urteil gegen Nowaks Mörder Vickrum Digwa hatte die Familie des Opfers Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. „Anstelle als sterbendes Opfer behandelt zu werden, hat die Polizei Henry verhaftet und ihm seine Rechte verlesen. Das war das letzte, was er hörte“, beklagte sie. Zugleich betonte sie, man wolle nicht, dass sein Tod nicht zum „Schüren von weiterer Spaltung“ beitrage, und rief dazu auf, die „Epidemie von Messerkriminalität“ anzugehen.
Nowak war im Dezember vergangenen Jahres gestorben, nachdem der indischstämmige Sikh ihn mehrfach mit einem 21 Zentimeter langen Zeremonialdolch erstochen hatte. Trotz lebensgefährlicher Verletzungen wurde der 18jährige vor Ort festgenommen. Digwa und sein Bruder Gurpreet hatten den Beamten einen rassistischen Überfall gemeldet. Auf einer Bodycamaufnahme (JF berichtete) ist unter anderem zu sehen, wie ein Polizist den Angriff auf Nowak bestreitet.
In his final moments, Henry Nowak told police officers nine times “I can’t breathe” and four times that he had been stabbed.
In response police officer dragged him across the gravel, handcuffed and read him his rights.
It was the last thing Henry heard before he died. pic.twitter.com/nIPoPEgOWa
— Visegrád 24 (@visegrad24) June 1, 2026
Noch drei Tage nach seinem Tod wollten die Beamten in einer Pressemitteilung behaupten, der Täter und sein Bruder seien von einem „Unbekannten“ angegriffen worden. Erst eine Intervention der entsetzten Hinterbliebenen habe die Veröffentlichung verhindert, berichtete die Sunday Times. (kuk)






