MÜNCHEN. Kardinal Reinhard Marx hat als erster katholischer Erzbischof in Deutschland Segnungsfeiern für homosexuelle Paare angeordnet. Die entsprechende Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft“ soll im Erzbistum München und Freising zur „Grundlage des pastoralen Handelns“ erklärt werden, zitierte die Tagespost aus dem Schreiben des Geistlichen. Demnach weise er ausdrücklich darauf hin, dass kein Paar abgewiesen werden solle.
Auch Geschiedene, die standesamtlich neu heiraten wollen, sollen nun Anspruch auf eine Segnung haben. Seelsorger, die den Segensfeiern für Schwule, Lesben und Geschiedene nicht vorstehen wollen, sollen die Interessenten an den Dekan oder andere Seelsorger verweisen. Zudem will Marx ab kommendem Juni allen Hauptamtlichen in der Seelsorge Fortbildungen der für die sogenannte „Queerseelsorge“ zuständigen Ansprechpersonen zur Gestaltung der Segnungen anbieten.
Zwar betont der Münchner Erzbischof, dass es sich bei der Segnung nicht um die Feier einer sakramentalen Ehe handle. Zugleich bedeute das nicht, dass dies die davon profitierenden Paare „an den Rand der Gemeinde und der Kirche“ rücke. Vielmehr sollten sie in der Mitte der Gemeinde willkommen sein.
Vatikan lehnt ritualisierte Segnung Homosexueller ab
Das gemeinsame Papier der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken galt bisher lediglich als eine Empfehlung in den meisten Bistümern. Gleichwohl hatte der Vatikan die Handreichung noch im vergangenen Oktober ausdrücklich abgelehnt. Der Leiter der vatikanischen Glaubensbehörde, Kardinal Victor Manuel Fernandez, betonte gegenüber dem katholischen US-Portal The Pillar, jede Form der Ritualisierung der Segnung von Homosexuellen sei untersagt.
2023 hatte Papst Franziskus mit der Erklärung „Fiducia supplicans“ den Weg zur Segnung freigemacht (JF berichtete). Zugleich dürfe damit nicht die Beziehung selbst gesegnet werden, auch dürfe der Akt nicht an Hochzeitsriten erinnern. Im Katechismus betont die katholische Kirche, dass Schwule und Lesben ihre Sexualität „nicht selbst gewählt“ hätten und dass ihnen mit „Achtung, Mitleid und Takt“ zu begegnen sei. Sie ruft zugleich zur Enthaltsamkeit auf und betont, jede „Geschlechtslust“ jenseits der Ehe verstoße gegen die Regeln.
Zuletzt forderte der DBK-Queerbeauftragte Ludger Schepers die katholische Kirche zu einer Revision der Haltung gegenüber Homo- und Transsexuellen auf (siehe JF-Porträt). „Die Vielfalt menschlicher Identitäten – ob homo-, trans- oder intergeschlechtlich – ist kein modernes Konstrukt, sondern Teil von Gottes Schöpfungsplan“, sagte der Weihbischof im Bistum Essen der Katholischen Nachrichten-Agentur Anfang April. Die Kirche dürfe „Diskriminierung“ nicht hinnehmen. Kardinal Marx hatte bereits 2022 einen „queeren Gottesdienst“ in München veranstaltet (JF berichtete) und während der Predigt betont, jeder, der dem „Primat der Liebe“ folge, könne „von Gott angenommen werden“. (kuk)






