ISLAMABAD. Der Machtkampf zwischen den USA und dem Iran hat sich unmittelbar vor einem direkten Treffen beider Seiten weiter zugespitzt. Teheran knüpft neue Bedingungen an Gespräche über eine Waffenruhe, während US-Präsident Donald Trump mit weiteren militärischen Maßnahmen droht.
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht neben dem iranischen Atomprogramm inzwischen auch die Straße von Hormus.
Die Meerenge entwickelt sich immer stärker zum Druckmittel Teherans. Nach Angaben von Vermittlern und Schiffsmaklern lässt der Iran den Verkehr dort trotz Waffenruhe nur stark eingeschränkt passieren und verlangt von einzelnen Schiffen weiterhin Gebühren (die JF berichtete). Vor dem für Samstag geplanten Treffen in Islamabad hat das Regime in Teheran neue Forderungen erhoben. Parlamentspräsident Mohammad-Bagher Ghalibaf erklärte in sozialen Medien, zunächst müsse es eine Waffenruhe im Libanon-Krieg zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah geben.
Two of the measures mutually agreed upon between the parties have yet to be implemented: a ceasefire in Lebanon and the release of Iran’s blocked assets prior to the commencement of negotiations.
These two matters must be fulfilled before negotiations begin.
— محمدباقر قالیباف | MB Ghalibaf (@mb_ghalibaf) April 10, 2026
Trump verschärft den Ton wieder
Zudem verlangt Teheran die Freigabe blockierter iranischer Vermögenswerte durch die USA. „Diese beiden Punkte müssen erfüllt werden, bevor Verhandlungen beginnen“, schrieb Ghalibaf. Trump reagierte mit scharfen Worten. Auf sozialen Medien warf er dem Iran vor, die Weltgemeinschaft durch die Kontrolle internationaler Wasserstraßen kurzfristig zu erpressen. „Die Iraner scheinen nicht zu begreifen, dass sie keine Karten in der Hand haben – außer einer kurzfristigen Erpressung der Welt über internationale Wasserstraßen“, schrieb Trump. Weiter erklärte er: „Der einzige Grund, warum sie heute noch am Leben sind, ist, dass sie verhandeln.“

US-Vizepräsident JD Vance, die Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner sollen in Pakistan mit Ghalibaf, dem iranischen Sicherheitschef Mohammad Bagher Zolghadr und Außenminister Abbas Araghchi zusammentreffen. In den Gesprächen dürfte zunächst die Lage in der Straße von Hormus im Vordergrund stehen. Danach soll es um das iranische Atomprogramm gehen. Dabei geht es insbesondere um mehr als 900 Pfund hochangereichertes Uran sowie um die Frage, ob der Iran künftig weiteres Material anreichern darf. Im Gegenzug dürfte Teheran auf eine Lockerung der Sanktionen drängen, auch wegen der schweren Schäden nach den amerikanischen und israelischen Angriffen.
Der Nahost-Experte Ali Vaez wird im Wall Street Journal zitiert, der Iran spiele derzeit hart, weil er glaube, im Vorteil zu sein. Seine stärkste Karte sei die Kontrolle über die Straße von Hormus. Zugleich warnte Vaez, Teheran neige dazu, am Verhandlungstisch zu unnachgiebig aufzutreten und dadurch eigene Chancen zu verspielen. Dem Bericht zufolge hatte der Iran zunächst zehn Forderungen aufgestellt, um den Krieg zu beenden.
Dazu gehörten die Anerkennung seiner Kontrolle über die Straße von Hormus, das Recht auf Urananreicherung, ein Ende der Sanktionen, Reparationen für Kriegsschäden und der Abzug amerikanischer Truppen aus der Region. Später soll Teheran einige dieser Positionen abgeschwächt haben. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, sagte am Mittwoch, erst durch die gemäßigteren und verkürzten Forderungen sei die Waffenruhe überhaupt möglich geworden.

Als wahrscheinlichstes Ergebnis gilt nun ein eng begrenzter Deal. Demnach könnte der Iran Zusagen machen, keine Atomwaffen zu entwickeln und die Schifffahrt durch die Straße von Hormus wieder freizugeben. Im Gegenzug würden die USA begrenzte Sanktionserleichterungen gewähren und die Kämpfe zunächst aussetzen.






