BEIRUT. Israel hat bei einem groß angelegten Luftangriff auf die libanesische Hauptstadt Beirut mehr als 180 Menschen getötet. Hunderte weitere wurden verletzt. Die Angriffe haben international scharfe Kritik ausgelöst, während Israel sein Vorgehen mit militärischen Zielen rechtfertigt. UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich „alarmiert über die steigende Zahl ziviler Opfer“.
In einer Mitteilung betonte sein Sprecher, die Angriffe gefährdeten die fragile Waffenruhe im Konflikt zwischen Israel und dem Iran sowie die Bemühungen um einen dauerhaften Frieden in der Region. Guterres forderte ein sofortiges Ende der Feindseligkeiten.
Auch mehrere europäische Staaten äußerten deutliche Kritik. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot verlangte, den Libanon in die zwischen den USA und dem Iran vereinbarte Waffenruhe einzubeziehen. Israel lehnt dies ab und kündigte an, weiterhin Ziele der vom Iran unterstützten Miliz Hisbollah im Libanon anzugreifen. Die britische Innenministerin Yvette Cooper sprach von einer „zutiefst besorgniserregenden Eskalation“ und verwies auf die humanitären Folgen der Angriffe. Spanien ging noch weiter: Außenminister José Manuel Albares warf Israel vor, mit den Luftschlägen gegen Völkerrecht und Waffenruhe zu verstoßen.
Israel will hochrangiges Ziel ausgeschaltet haben
Im Libanon wurde ein nationaler Trauertag ausgerufen. Öffentliche Einrichtungen blieben geschlossen, große Teile Beiruts wirkten wie ausgestorben. In den zerstörten Vierteln laufen weiterhin Bergungsarbeiten, unter den Trümmern werden weitere Opfer vermutet.
Israel erklärte, bei dem Angriff gezielt einen engen Vertrauten des Hisbollah-Chefs Naim Kassem getötet zu haben. Dabei handelt es sich nach Angaben der Armee um dessen persönlichen Sekretär und Berater, der eine zentrale Rolle innerhalb der Organisation gespielt habe. (rr)






