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„Was bleibt, ist die Verantwortung“

Marcel Stein hat bereits im Jahr 2000 ein ausführliches Buch über Manstein mit den gleichen Themen veröffentlicht, in dem eine durchgängig negative Beurteilung in einer völligen Verurteilung gipfelte. Zum neuen Buch schreibt er: „Meine Untersuchungen haben mich veranlaßt, mein früheres Urteil über ihn, das überwiegend negativ war, in wichtigen Punkten stark zu seinen Gunsten zu ändern.“ Im neuen, noch einmal im Umfang erweiterten Buch ändert er zumindest seine Meinung über die militärischen Fähigkeiten und Leistungen Mansteins. Im ersten Buch sah er sie eher durchschnittlich, überhaupt als recht mittelmäßig bis hin zum Versagen. Das änderte er nun, zumindest für den Sichelschnitt-Plan. Seine negativen Urteile über Manstein bei Stalingrad und Zitadelle passen aber gar nicht zu seiner generell guten Beurteilung. Bei Stalingrad vermag er sich trotz vieler Zitate einschließlich des entscheidenden Befehls zum Durchbruch mit Hinweis auf den eventuell anschließenden Ausbruch wieder nicht von dem so schön einfachen, weitverbreiteten, aber falschen Pauschalurteil des Versagens durch Kadavergehorsam zu trennen, auch wenn er den Begriff nicht ausdrücklich erwähnt. Dabei basiert sein Urteil auf Aussagen, die er beim Zitieren eher als problematisch bezeichnet bzw. sogar als falsch nachweist. Bei Zitadelle, dem schwächsten Kapitel, unterstellt er grob falsch Manstein und Kluge, daß sie den im zeitigen Frühjahr 1943 für richtig angesehenen Angriff „Schlag aus der Vorhand“ auch noch im Sommer – bei völlig veränderter Lage – gefordert hätten. Tatsächlich traten sie zu diesem Zeitpunkt dafür ein, den russischen Angriff abzuwarten, also für das „Schlagen aus der Nachhand“. Bei seinem Hauptkapitel, den Verbrechen an den Juden, versucht er erneut, durch die Zitierung vieler entsetzlicher Dokumente und von Aussagen der SD-Führer – als Kronzeugen – nachzuweisen, daß Manstein von allem gewußt habe und sein Verhalten die Untaten begünstigt habe. Er konzidiert zwar, daß Manstein sie nicht hätte verhindern können, aber er hätte eben zurücktreten müssen. Stein bringt keinerlei neue Dokumente gegenüber den im Prozeß gegen Manstein eingehend behandelten, und von seinen drei Zeitzeugenaussagen behandeln zwei ein schon damals wie auch heute widerlegtes Gerücht. Die dritte ist durch keine der akribisch geführten SD „Erfolgsmeldungen“ oder sonstige Berichte belegt. Stein unterdrückt fast ganz die Tatsache, daß Manstein in allen drei Anklagepunkten zu den Verbrechen an Juden freigesprochen wurde. Verurteilt wurde er in der allgemein gefaßten, leider zutreffenden Anklage, daß in seinem Verantwortungsbereich derartige Verbrechen stattgefunden haben. Das Gericht betont aber ausdrücklich, daß er weder vorsätzlich noch fahrlässig gehandelt habe, und sieht sein ihm von der Anklage unterstelltes Wissen davon als zumindest nicht erwiesen an, was Stein trotzdem bestreitet. Was bleibt, ist die Tatsache der Verantwortung des für ein Territorium verantwortlichen Befehlshabers für alles, was dort geschah. Nach Ansicht des Gerichtes also auch für Taten von Institutionen, die die Regierung bewußt unabhängig vom Heer eingesetzt hatte und gegenüber denen der Territorial-Befehlshaber kein Weisungsrecht hatte. Sie unterstanden und berichteten direkt ihren Vorgesetzten im SD-Hauptamt. Manstein konnte nicht einmal die Kenntnis von deren Treiben nachgewiesen werden. Formal kann das im Rahmen des Völkerrechts so ausgelegt werden. Das IMT in Nürnberg urteilte entsprechend. Seither sind keine derartigen Verurteilungen von hohen Verantwortlichen für das Geschehen in den vielen Kriegen der letzten Jahrzehnte bekannt geworden. „Der Januskopf. Feldmarschall von Manstein – Eine Neubewertung“ (Biblio-Verlag, Bissendorf 2004) des israelischen Militärhistorikers Marcel Stein wurde von Franz Uhle-Wettler in der JF-Ausgabe 48/04 besprochen. Rüdiger von Manstein ist Sohn des Generalfeldmarschalls. 1981 gab er mit Theodor Fuchs das Buch „Soldat im 20. Jahrhundert. Militärisch-politische Nachlese“ heraus.

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