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Die französische Fremdenlegion marschiert über den Champs Elysees in Paris Foto: picture-alliance/ dpa | epa Horacio Villalobos
Die französische Fremdenlegion marschiert über den Champs Elysees in Paris Foto: picture-alliance/ dpa | epa Horacio Villalobos

Fremdenlegion
 

Position gefestigter denn je

„Augenblick, wir wollen euch einen Gruß aus Deutschland schicken, ihr Vaterlandsverräter.“ Der Haß der deutschen Infanterie auf ihre Landsleute in der französischen Fremdenlegion ist so groß, daß die Landser vor Verdun auf die nach dem abgeschlagenen Angriff im Niemandsland liegengebliebenen Verwundeten, die mit den Worten „Kameraden, helft uns, wir sind auch Deutsche“, um Hilfe flehen, mit dem „Maschinengewehr Punktfeuer schießen“. So schildert es der Elsässer Paul Coelestin Ettighoffer in seinem autobiographischen Kriegsroman „Gespenster am Toten Mann“, erschienen 1937 bei Bertelsmann.

Unter den angreifenden Fremdenlegionären hätte sich damals auch einer namens Herbert Berger befinden können. Unter diesem Namen hatte sich im November 1913 der spätere Stoßtruppführer, Pour-le-Mérite-Träger und Schriftsteller Ernst Jünger als „von der Schule gelangweilter angehender Abiturient“ für fünf Jahre der Fremdenlegion verpflichtet. Letztlich annulliert das französische Kriegsministerium noch im Dezember 1913 aufgrund diplomatischen Drucks aus Deutschland die Verpflichtungserklärung des 18jährigen.

Der Mythos Fremdenlegion übt seit ihrer Gründung am 10. März 1831 eine magische Anziehungskraft auf junge „Tunichtgute meines Schlags“ (Jünger) aus. Speziell an den deutschen Bewerbern schätzen die Franzosen, deren „natürliche Begabung und geradezu eine Begeisterung für das militärische Metier“, so Hauptmann Zinnovi Pesckoff in seinen 1926 erschienenen Erinnerungen „The Buggle Sounds. Life in the French Foreign Legion“.

„Verwegen, selbstlos, entwurzelt, kriminell“

Die Deutschen gelten als die potentiell besten Legionäre, weil sie diszipliniert, zuverlässig und genau sind, als hervorragende Unteroffiziere, weil sie Autorität und Kompetenz ausstrahlen, allerdings auch als arrogant, rücksichtslos und unwillig, sich unter andere Nationalitäten zu mischen. Deutschsprachige spielen vor allem zwischen 1919 und 1933 sowie 1945 bis 1954 eine bedeutende Rolle in der Legion.

Warum das so war und warum die Fremdenlegion in den 190 Jahren ihrer Existenz Jahr um Jahr Tausende Freiwillige anzieht, beschreibt Eckard Michels in seinem Werk „Fremdenlegion. Geschichte und Gegenwart einer einzigartigen militärischen Organisation“. Darin zeichnet der am Birkbeck College der Universität von London lehrende Militärhistoriker nach, wie sich an der Herkunft der Legionäre, „einer Fieberkurve gleichend“, die politischen Umwälzungen und wirtschaftlichen Konjunkturen Europas im 19. und 20. Jahrhundert ablesen lassen.

Im deutschsprachigen Raum eher verabscheut, in Frankreich verherrlicht, dienten bis heute rund 700.000 Männer in der Legion, für die Michels die Adjektive „verwegen, geheimnisvoll, selbstlos, entwurzelt, gescheitert, unberechenbar, verräterisch, brutal oder kriminell“ verwendet. Die Legionäre kämpften und starben in Mexiko, Vietnam, Algerien, Marokko, Tunesien, im Deutsch-Französischen und in beiden Weltkriegen.

„Söldnerparadieses“ Vietnam

Der Eindruck, daß die Eroberung des umfangreichen französischen Kolonialreiches zwischen 1880 und 1934 und dessen Verteidigung nach 1945 gegen die Befreiungsbewegungen der Afrikaner und Asiaten vor allem von Ausländern und dabei insbesondere von Deutschen geführt wurde, sei aber falsch, so Michels. Die Legion habe nahezu immer eingebettet in größere französische Kontingente gekämpft.

Deutscher Fremdenlegionär einer Fallschirmtruppe während des Indochinakrieges (1946-1954) in Langson 1950 Foto: picture alliance / dpa
Deutscher Fremdenlegionär einer Fallschirmtruppe während des Indochinakrieges (1946-1954) in Langson 1950 Foto: picture alliance / dpa

Ihr Stalingrad erlebt die Legion 1954 beim Kampf um die Festung Dien Bien Phu. Es war gleichzeitig die letzte Schlacht, an der Deutsche in signifikanter Zahl teilnehmen. Mit der Aufgabe des „Söldnerparadieses“ Vietnam – die letzte Nachhut der Legion schiffte sich am 12. März 1956 in Saigon ein – verlassen die Söldner eine Region, in der sie seit 72 Jahren „ihre blutigsten und bedeutendsten Kriege“ ausgefochten haben.

Niemals wieder habe die Legion in einem Konflikt eine derart wichtige Rolle eingenommen wie in Indochina, resümiert Michels. Und der anschließende Konflikt in Algerien sollte der letzte Krieg sein, der die gesamte Legion erfordert, sie erhebliche Verluste kostet und fast zu ihrer Auflösung führt, weil sich vier ihrer zehn Regimenter am Militärputsch im April 1961 beteiligten.

Daß es die Legion noch immer gibt, daß sie zumindest aus französischer Sicht kein „kurioses, moralisch fragwürdiges Überbleibsel aus einer eigentlich überwundenen Epoche der Militärgeschichte“ ist und die eigene Geschichte und die Einhaltung eines strengen Kodex pflegt, liegt an ihrer Tradition, an den erbrachten großen Opfern, vor allem aber an ihrer Effizienz. „Im 21. Jahrhundert ist ihre Position innerhalb der französischen Streitkräfte und der Nation gefestigter denn je“, konstatiert der Autor. Vor allem für schnelle überseeische Militärinterventionen wird sie benötigt. 

Die Legion hat sich professionalisiert

Mit dem Verlust Algeriens verliert die Legion zudem ihren rein weißen Charakter. Außereuropäische Bewerber gelten als weniger individualistisch, anspruchsloser und körperlich ausdauernder. Der Personalmangel wird zwischenzeitlich so groß, daß in den 1970er Jahren Maghrebiner und Schwarzafrikaner angeworben werden. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks melden sich viele Osteuropäer, 2017 besteht das größte Kontingent der Rekruten aus Brasilianern, gefolgt von Nepalesen und Ukrainern.

Heute ist die Legion stolz darauf, daß in ihr Männer aus 140 Nationen „gleichberechtigt, kameradschaftlich, effizient und selbstlos zum höheren Ruhm der Legion und Frankreichs“ dienen. Frankreich wiederum hat den Legionären, was Michels seltsamerweise keine Zeile wert ist, einen Altenruhesitz in Auriol und ein Invalidenheim in der Provence eingerichtet. 

Meldeten sich früher unkundige junge Männer, meist in verzweifelten Lebenslagen oder voller Illusionen über kriegerische Heldentaten und Abenteuer in sonst unerreichbaren exotischen Ländern, so ist der „Eintritt in die Legion heutzutage eher eine überlegte Entscheidung reiferer, besser vorqualifizierter, physisch leistungsfähiger Männer“, schreibt Michels: „Der Legionär des 21. Jahrhunderts ist ein militärischer Spezialist, in den der französische Staat viel Zeit und Geld für Auswahl, Ausbildung, Ausrüstung, und Unterhalt investiert.“ Geändert hat sich auch die Art der Einsätze. Der letzte Großeinsatz mit einer Mannschaftsstärke von mehr als eintausend Mann war der zweite Golfkrieg 1990/91. Die Einsätze in Afghanistan oder Mali gelten dagegen als Anti-Terror-Missionen.

JF 28/21

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Eckard Michels: Fremdenlegion. Geschichte und Gegenwart einer einzigartigen militärischen Organisation. Herder-Verlag, Freiburg, gebunden, 463 Seiten, 40 Euro. 

Die französische Fremdenlegion marschiert über den Champs Elysees in Paris Foto: picture-alliance/ dpa | epa Horacio Villalobos
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