Mietraummangel

Angespannter Wohnungsmarkt: Flüchtlinge sollen aufs Land

HAMBURG. Der Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) hat gefordert, Flüchtlingen feste Wohnsitze auf dem Land zuzuweisen Grund sei unter anderem der angespannte Wohnungsmarkt in Hamburg. „Wir brauchen auch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern eine befristete Wohnortzuweisung für Flüchtlinge“, sagte der Verbandschef Andreas Breitner am Montag dem Hamburger Abendblatt.

Im vorpommerschen Strasburg etwa seien durch ein Verbandsmitglied 20 Wohnungen mit Hilfe kommunaler Förderung errichtet worden. 18 davon stünden jetzt leer. Breitner sagte dem Blatt: „Das geht so nicht. Unsere Mitgliedsunternehmen müssen sich auf eine längerfristige Planung verlassen können.“

Arbeitsplätze auf dem Land seien für Einwanderer geeignet

In Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen ist es gesetzlich bereits möglich, Einwanderern einen festen Wohnort zu zuweisen. Flüchtlingsorganisationen kritisierten dies mit dem Hinweis auf die Freizügigkeit. Breitner erwiderte: „Ein Staat, der Flüchtlingen Obhut bietet und sie alimentiert, kann diese individuelle Hilfe doch an Bedingungen knüpfen.“ Auch seien die Arbeitsplätze im ländlichen Raum gut für Einwanderer geeignet.

Die Maßnahmen sollten den Mitgliedsunternehmen längerfristige Planungssicherheit bieten und den Druck auf den Wohnungsmarkt speziell in den Metropolen des Nordens verringern.

In Hamburg lebten laut Welt derzeit etwa 33.000 Flüchtlinge in Erstaufnahme- oder Folgeunterkünften. Mehr als 15.000 von ihnen seien berechtigt umzuziehen, da ihr Aufenthaltsstatus abgesichert sei. Doch fänden sie keine eigenen Wohnungen in der Hafenstadt.

Einwanderer konkurrieren mit Geringverdienern

Die Einwanderer konkurrierten dort mit Geringverdienern, Alleinerziehenden und Menschen, die eine geringe Rente beziehen. Eine der größten Hamburger Wohnbaugesellschaften habe eine Warteliste mit 40.000 Interessenten. Die Stadt baue pro Jahr aber nur 10.000 Wohnungen.

Kritik kommt von der AfD. „Offensichtlich sollen mit der geforderten negativen Wohnsitzauflage die Probleme der Stadt Hamburg nur auf andere Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern abgeschoben werden. Wenn es Hamburg nicht gelingt, die Zuwanderung auf die Stadt zu begrenzen und eine Minuszuwanderung durchzusetzen, dürfen nicht andere Bundesländer dafür haftbar gemacht werden“, sagte der AfD-Fraktionschef im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Nikolaus Kramer.

Auch die Berliner Baupolitik kann den massenhaften Andrang auf Wohnraum nicht befriedigen. Im Januar hatte bereits der Ring Deutscher Makler Berlin-Brandenburg (RDM) vor der sich zuspitzenden Situation gewarnt. „Die Flüchtlingskrise hat nicht vieles, sondern alles verändert und verschärft die Wohnungskrise“, sagte der Vorsitzende des RDM, Markus Gruhn, damals. (mp/ls)

Flüchtlinge in Hamburg Foto: dpa / Pixabay / JF-Montage

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