Joachim Kuhs

 

Fatale Brüsseler Euro-Märchen

Der Euro bewährt sich in der Finanzkrise“, sangen an seinem 10. Jubiläum als Buchgeld nicht nur die altbekannten Euro-Verfechter im Chorus. „Denn jene EU-Staaten, die den Euro als Zahlungsmittel haben, wurden von der Krise weniger stark getroffen als jene EU-Mitglieder, die nicht Teil der Eurozone sind“, sagt der anscheinend gewendete FPÖ-Europaparlamentarier Andreas Mölzer. Dumm nur, daß es Auslandsanleger und Zentralbanken anders sehen. Die Flucht in den Euro als Sichere-Hafen-Währung findet nicht statt. Ausgerechnet der krisengeschüttelte US-Dollar hat die besseren Karten. Die Gründe liegen auf der Hand: Von den 16 Euro-Ländern ist fast nur der alte „DM-Block“ (Deutschland, Niederlande, Österreich) nicht bis zur Halskrause auslandsverschuldet. Keine Zentralbank findet für ihre Euro-Reserven sichere und liquide Staatstitel – denn diesen Staat gibt es nicht. In der Krise verkommt die Eurozone zur Haftungsgemeinschaft: Die starken Euro-Länder müssen die überschuldeten vor dem Konkurs bewahren. Deren Interessen vertreten, einig wie selten, Brüssel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Mit Solidarität und Krisenbekämpfung hat das nichts zu tun. Jetzt rächt sich, daß es die Europäische Zentralbank in Vor-Krisenzeiten nicht gewagt hat, die Inflation der Schuldenstaaten zu bekämpfen. Gegen die vom Bankensektor ausgelöste Deflation kann sie ohnehin nur eines unternehmen: die von ihr tolerierte Inflation statutenwidrig noch mehr anheizen! Europa steht vor der Wahl, entweder seine Währungsunion oder seine Staaten zu retten. Beides zusammen geht nicht; denn mit dem Euro stürzen seine Staaten in die schwerste Wirtschafts- und Beschäftigungskrise seit den 1930er Jahren. Dieses Wissen fehlt wohl den Euro-Jubilaren.

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles