Die Schwäche der Finanzierungsbasis

Der Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen hat 2003 in seinem Gutachten festgestellt, daß eine „Kostenexplosion“ im Gesundheitswesen empirisch nicht nachweisbar ist. Die Zahlen in den alten Bundesländern bestätigen das. Der Anteil Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) am Bruttoinlandsprodukt hat sich seit 1975 nur unwesentlich verändert. Verantwortlich für steigende GKV-Beitragssätze ist die Wachstumsschwäche der Finanzierungsbasis. Sie ist die Folge von Arbeitslosigkeit und einer wachsenden Zahl von Rentnern. Sie ist aber auch eine Folge von bisher nicht gehobenen Wirtschaftlichkeitsreserven auf der Ausgabenseite. Die Versorgungsforschung wird deshalb in der Zukunft eine große Rolle spielen. Ihre Aufgabe ist es, detaillierte Aussagen über Mengen, Kosten und Qualität in der Gesundheitsversorgung über die Abrechnungen von Ärzten und Krankenhäusern zu analysieren. Ein Anfang wurde im Gesundheitsmodernisierungsgesetz mit der Verankerung der Transparenzregelung gemacht, die Abrechnungs- und Leistungsdaten aller Versicherten aus dem ambulanten und stationären Bereich mit Hilfe einer einheitlichen Versicherungsnummer zusammenführen soll, die auch bei einem Kassenwechsel erhalten bleibt. Erst dann wird es möglich sein, Längsschnitt-Analysen und die Auswertung von Behandlungsverläufen für eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen zu nutzen. In dem Modell einer Versicherten-Stichprobe in Hessen hat sich gezeigt, daß die Erkenntnisgewinne der Versorgungsforschung für die GKV zu nennenswerten Einsparungen führen. Jetzt kommt es darauf an, daß alle Beteiligten in Gesundheitswesen die überfällige Transparenzregelung umgehend umsetzen.

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