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Der Gottsucher

Das katholische und bäuerliche Milieu, aus dem er stammte, war zeitlebens bestimmend für ihn. Als Sohn einer Müllerfamilie am 26. Juni 1906 in Breitwies bei Trier geboren, verließ Stefan Andres auf Anraten seiner Oberen als Untertertianer das Kolleg und versuchte sich bei den Barmherzigen Brüdern von Maria Hilf in Trier in der Krankenpflege. Doch hier hielt es ihn nicht lange. Von seinen Eltern zum Priester bestimmt, zog es ihn zum Juvenat bei den Armen Brüdern vom Hl. Franz Xaver in Bleyerheide. Als auch die ihm keine Heimat boten, legte er schließlich in Neuss das Lehrerexamen ab. Noch einmal suchte er das klösterliche Leben und trat in das Noviziat des Kapuzinerordens in Krefeld ein. Am Ende stand das consilium abeundi. Andres übernahm nun die Schriftleitung der katholischen Monatszeitschrift Der Marienborn, die ihm Raum für die Veröffentlichung seiner ersten dramatischen Versuche gab. Sein Entschluß, statt Theologie Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte zu studieren, führte ihn schließlich an die Berliner Humboldt-Universität. Einen akademischen Abschluß erwarb er indes nicht, erfüllte sich jedoch seinen Traum einer Italienreise. Angetan von der italienischen Mittelmeerküste zog er sich im Frühjahr 1933 mit seiner jüdischen Ehefrau Dorothee Freudiger in das Städtchen Positano zurück. Hier entstand die Novelle „El Greco malt den Großinquisitor“, eine subtile Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte. Im italienischen Süden spielen auch die Erzählungen „Vom heiligen Pfäfflein Domenico“, „Das goldene Gitter“ und „Positano“ sowie der Roman „Die Liebesschaukel“. Andres eignete ein südlich anmutender Sinn für Lebensgenuß und kindliche Freude; wichtiger jedoch ist der andere Pol seines Werkes, die religiösen Ausein-andersetzungen um Schuld, Sühne und Erlösung. Trotz Bildung der Achse Deutschland-Italien blieb Andres in Positano. Zur inneren Emigration entschlossen, zählt diese Schaffensphase mit ihren Romanen, Novellen, Erzählungen und Gedichten zu seinen fruchtbarsten. 1941 legt er ein weiteres zentrales Werk vor: die Novelle „Wir sind Utopia“, nach dem Krieg dramatisiert als „Gottes Utopia“ und mehrmals verfilmt. Der Tod seiner ältesten Tochter findet seine tiefste Auseinandersetzung in lyrischer Gestalt. Andres kehrte erst 1949 nach Deutschland zurück. Er engagierte sich gegen die Wiederbewaffnung und trat für die deutsche Wiedervereinigung ein. „Gottes Utopia“, das beste seiner Dramen, erlebte 1950 unter der Regie von Gustav Gründgens die Uraufführung. Anfang der sechziger Jahre kehrte Andres, enttäuscht von der politischen Entwicklung in Deutschland, nach Italien zurück. In der Romantrilogie „Die Sintflut“ brandmarkte er Staatsvergötzung als „Theokratie ohne Gott“, die herrschende Norm als „Antikirche“ und die Verleugnung der Menschenwürde als Verrat an der göttlichen Schöpfung. An den Folgen einer Operation starb Andres am 19. Juni 1970 in Rom.

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