Weder deutsch noch Telekom

Die Deutsche Telekom hat den Rückkauf des knapp vier Jahre alten Tochterunternehmens T-Online angekündigt. Das Inter-netunternehmen soll wieder in das Mutterunternehmen eingegliedert und mit der Festnetz-Telefonabteilung T-Com zusammengeführt werden. Die T-Online-Aktien sind zu 74 Prozent in der Hand des Mutterkonzerns, knapp sechs Prozent hält der französische Mischkonzern Lagardère. Private Anleger besitzen weniger als ein Prozent der Aktien, sind aber über die Telekompläne besonders empört. Der Rückkaufpreis soll 8,99 Euro pro Aktie betragen. Beim Börsengang war fast das Dreifache, 27 Euro, zu bezahlen. Alternativ wird der Umtausch in Telekom-Aktien gleichen Wertes angeboten. Die Telekom reagiert mit ihrer Heim-ins-Reich-Aktion auf ein Chaos, das sie selbst angerichtet hat. Die unsaubere Aufspaltung der Geschäftsfelder Telefon und Internet hatte in der letzten Zeit zu einer unsinnigen Konkurrenzsituation geführt. Da wurden T-Online-Kunden von Agenten der T-Com oft mit Drücker-Methoden abgeworben. Sie mußten dann häufig dreifach für den Internetzugang und die Internetnutzung bezahlen, ohne vorher überhaupt zu ahnen, daß für den Zugang zum Internet und Nutzung desselben nun getrennte Rechnungen erforderlich sind. Horrend ist aber nicht nur die Verärgerung der Kunden, sondern auch die Verwirrung. Eine „deutsche“ Telekom gibt es offensichtlich nur noch der Erinnerung. Statt dessen verwirren die Pseudomarken „Ti-Onlein“, „Ti-Mobeil“ und „Ti-Komm“ mit ihren kauderwelsch-englischen Reklamen und Rechnungen. Jetzt will die Telekom eine Neuordnung nach „Kundenorientierung“ einführen. Eine Rücknahme der Sprachverhunzung wäre nötiger.

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