Halblegales Doping schon für Kinder

Sie sind wieder unterwegs, die Fahrradhelden. Auf den mörderischen Strecken geben sie alles, um am Ende einen guten Platz in der Gesamtwertung zu haben. Das Vergnügen (deportare = Sport), aus dem eine knallharte Industrie wurde, hat schon lange seine Unschuld verloren. Denn für den Sieg, die damit verbundenen Preisgelder und den Marktwert in der Werbebranche wird – medizinisch – alles getan. Nur wer Doktoren zu seinen Betreuern zählt, die das Wissen haben, wie man in der Wettkampfzeit clean ist, wird ganz nach oben kommen. Inzwischen ist dieser Sportwahn auch bei den Amateuren angekommen. Mit allen Nebenwirkungen. „Es gibt immer mehr Jugendliche, die schon mit 14, manchmal sogar mit zwölf Jahren Pillen schlucken und sich Spritzen setzen, um dickere Arme zu bekommen“, sagt der Ex-Bodybuilder und Gründer einer Anti-Doping-Initiative, Jörg Börjesson. Der Mediziner Carsten Boos von der Uni Lübeck hat nun eine Studie über Doping im Freizeitsport durchgeführt: „Bei vorsichtiger Schätzung gibt es bundesweit rund 200.000 Breitensportler, die mit Anabolika oder anderen Substanzen Mißbrauch betreiben“, klagt Boos. Das öffentliche Interesse sei gleich null, denn „die Empfindlichkeiten sind immens“. Kein Wunder. Etwa 100 Millionen Euro werden in Deutschland jährlich für die Muskelwunder ausgegeben. Anders als bei Rauschgiften, ist es kein Problem, übers Internet, in einschlägigen „Mucki-Buden“ oder über Apotheken im Ausland an die Stoffe ranzukommen. Dabei sind die gesundheitlichen Folgen verheerend. Gemütsschwankungen durch einen gestörten Hormonhaushalt sind das geringste, was passieren kann. Wer diese deformierten Fleischklöpse sieht, wundert sich nicht.

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