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Scheinheilige Feiertage

Der Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, Wolfgang Clement (SPD), hat mit seinem Vorschlag, arbeitsfreie Feiertage wie den Pfingstmontag zu streichen, um die Lohnkosten zu senken und damit die Wirtschaft zu beleben, in ein Wespennest gestochen. Neu ist der Angriff auf die überwiegend religiös begründeten Feiertage nicht. Selbst Kanzler Kohl hatte in seiner Amtszeit den „kollektiven Freizeitpark“ kritisiert. Auch sind solche Attacken nicht erfolglos geblieben, wie die Abschaffung des Buß- und Bettags als gesetzlichem Feiertag bewiesen hat. Gleichwohl überrascht die Heftigkeit der Gegenwehr, nicht nur von gewerkschaftlicher, sondern auch von kirchlicher Seite. Daß die Abschaffung von einem oder zwei Feiertagen kaum zu explosionsartigen Wirtschaftsaufschwüngen führen dürfte, diese Erkenntnis bedarf keiner großen ökonomischen Analyse. Das hat sich schon bei der Abschaffung des Buß- und Bettags erwiesen. Im Gegenteil könnte aus der Beobachtung, daß die nördlichen Bundesländer mit nur neun Feiertagen wirtschaftlich wesentlich schlechter dastehen als Länder wie Bayern und Baden-Württemberg mit 14 und 13 Feiertagen, eher die Forderung nach Ausweitung der Feiertage erhoben werden. Wenn die denn dazu dienen würden, der Bevölkerung den christlichen Glauben näher zu bringen. Möglicherweise läuft die Wirtschaft im Süden besser als im Norden, weil dort das Christentum intensiver verbreitet ist. Diesen Effekt zu verstärken sind die Feiertage indes wenig maßgeblich. Sie werden überwiegend gerade nicht zu religiösen „Feiern“ verwendet, sondern als willkommener Gratisurlaub betrachtet. Die so benachteiligten Christen sollten daher am lautesten die Abschaffung der gesetzlichen Feiertage fordern.

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