Der Überlieferung verpflichtet

Es war ein beeindruckendes Ereignis, das am vorigen Samstag im oberbayerischen Altötting, dem größten Wallfahrtsort Deutschlands, stattfand. Zum zweiten Mal seit der Liturgiereform von 1969 wurde dort ein Pontifikalamt im überlieferten Ritus zelebriert, also in jenem Ritus, dessen Wurzeln bis in die Zeit der Apostel zurückreichen. Diese Messe in der vollbesetzten Basilika St. Anna war der Höhepunkt der zweiten Wallfahrt im überlieferten Ritus, die unter dem Motto „Glauben, beten, handeln“ stand und durch Vorträge von Pater Andreas Hönisch SJM, Don Almir de Andrade FSSP, Professor Rudolf Schmitz vom Institut Christus König und Hoherpriester sowie dem Erzbischöflichen Geistlichen Rat Walter Lang bereichert wurde. In musikalischer Hinsicht war die Messe eine Besonderheit, denn es wurde die Mariazeller-Messe von Joseph Haydn im vom Komponisten ursprünglich dafür gedachten liturgischen Rahmen gesungen. Ebenso war es ein bedeutungsvolles Zeichen, daß der Zelebrant Erzbischof Georg Eder war, der bis vor kurzem als Bischof von Salzburg noch den Titel des Primas Germaniae trug. Veranstaltet wurde die Wallfahrt von der erst vor drei Jahren gegründeten Initiative Pro Sancta Ecclesia e. V. Seitdem hat sich Pro Sancta Ecclesia zu einer Sammlungsbewegung für diejenigen Gläubigen und Gruppierungen entwickelt, die sich dem „alten Ritus“ verbunden fühlen. Die Hauptaufgabe der Initiative besteht darin, die Lehre der Kirche, wie sie in ununterbrochener Tradition von den Päpsten vorgelegt wird, zu verteidigen und den Gläubigen Hilfen zu geben, ihren Glauben zu leben. An die breitere Öffentlichkeit getreten ist Pro Sancta Ecclesia in jüngster Zeit mit ihrem Einsatz gegen die von den deutschen Bischöfen nun offiziell erlaubten „multireligiösen Feiern“. Am Freitagnachmittag referierte der Geistliche Rat Walter Lang über das Thema „Christlicher Glaube und interreligiöse Kontakte“. Prägnant und klar legte er unter Rückgriff auf die Heilige Schrift und die Kirchenväter dar, daß es keine „interreligiösen“ Gebete geben könne. „Multireligiöse“ Gebete seien ebenso fragwürdig oder zumindest praktisch undurchführbar. Vor allem der „Allah“ des Islam sei nicht identisch mit Gott. Das sei leider vom letzten Konzil sehr unklar formuliert worden, so daß bei Gläubigen wie Theologen heute eine starke Tendenz herrsche, beide gleichzusetzen. Ferner kritisierte er, daß heutzutage der „Dialog“ oft dazu mißbraucht werde, eine Religionsvermischung herbeizuführen. „Jesus kannte nämlich keinen Dialog im heutigen Sinn, sondern – wie jeder der Bibel entnehmen kann – nur Lehrgespräche oder Streitgespräche“, so Lang. Für viele Zuhörer war der Vortrag von Pater Hönisch am Sonntagmorgen der heimliche Höhepunkt der Wallfahrtstage. „Dieser ehemalige Jesuit verkörpert einen authentischen und unbeirrbaren Katholizismus: mit beiden Beinen auf der Erde, den Blick zum Himmel gerichtet“, so eine Teilnehmerin. In diesem Jahr sprach er über „die Unterscheidung der Geister nach Ignatius von Loyola“. Großes Interesse fand die praktische Anwendung der ignatianischen Methode auf die sogenannten neuen geistlichen Bewegungen, bei denen man feststellen müsse, daß sie oftmals unkatholische Elemente beinhalten. Ähnliches sei auch bei vielen neuen Privatoffenbarungen und Marienerscheinungen festzustellen. Sie führten nämlich in einen Subjektivismus, der die Gläubigen für den Irrtum anfällig mache, weil das Gefühl zu sehr im Vordergrund stehe. Die Tage waren geprägt von einer tiefen geistlichen Atmosphäre, bei der man spüren konnte, daß die Anwesenden diese Wallfahrtstage als Chance zur Glaubensstärkung nutzen wollten. Lediglich die Freunde der Petrusbruderschaft waren enttäuscht, weil diese leider kurzfristig zur selben Zeit Priesterweihen angesetzt hatte, was zu zeitlichen Problemen führte, wenn man noch nach Wigratzbad fahren wollte. Wegen der großen Resonanz planen die Veranstalter, diese Wallfahrt nun jedes Jahr durchzuführen, und hoffen, damit eine neue Tradition für glaubenstreue Katholiken zu begründen.

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