Neue Technologien: Tagung des Konvents für Technikwissenschaften der dt. Akademien der Wissenschaft

Technik und Techniker haben bei uns ein miserables Image. Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende von fünf deutschen Konzernen beklagten dies einhellig auf einer Veranstaltung des Konvents für Technikwissenschaften in Berlin. So richtig „sexy“ war das Berufsbild des Ingenieurs allerdings noch nie und wird es wohl auch in Japan oder den USA nicht sein. Der Laie kann sich nun einmal schlecht vorstellen, was ein Maschinenbauer zum Beispiel den ganzen Tag macht. Er baut ja die Maschinen nicht selber, das macht der Monteur und der Arbeiter am Fließband. Diese Tätigkeiten sind durchschaubar wie die eines Arztes oder Fotomodells. Auch Kreditberater und Krimiautoren machen einiges her. Aber ein Akademiker, der sich mit der Herstellung von Softeis oder Fischstäbchen beschäftigt, kann auf besondere gesellschaftliche Achtung nicht hoffen. Schon besser hat es, wer den Fisch verkaufen darf – im großen Stil, versteht sich. Er kann sich Manager nennen und verdient gleich das Doppelte, was nach Meinung von Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz dringend anders werden müßte. Denn BWL-Absolventen gibt es wie Sand am Meer, Ingenieure hingegen sind weiterhin Mangelware. Wissenschaft, Wirtschaft und Politik werden als Säulen der Gesellschaft bezeichnet, und sie stehen bei uns viel zu wenig im Austausch. Diese Krankheit heißt „Versäulungssyndrom“. Ein Wechsel zwischen den Säulen findet kaum statt, so daß fundiertes naturwissenschaftlich-technisches Wissen kaum in die politischen Zirkel eindringt. Dahinter steckt mehr als eine gewisse Trockenheit, die mathematisch ausgerichtete Fächer nun einmal nicht loswerden. Die notorische Langeweile juristischer Diskurse scheint unseren Politikern weit weniger auszumachen. Nein, die Technik ist bei einem Großteil der deutschen Intelligenz latent verhaßt. Wie Jürgen Habermas in seinem Europa-Konzept erneut bestätigt, hält man von seiten der Kultur- und Gesellschaftswissenschaften den Fortschritt insgesamt für „gefährlich“ oder gleich für „inhuman“. Es ist jene Generation von Linken, die erleben mußte, wie die Geschichte über ihre Konzepte brutal hinwegging. Folglich lehnt man die jüngste historische Entwicklung und ihre wissenschaftlichen Grundlagen einfach ab. Immer noch bevölkern Lehrer mit dieser Einstellung die Schulen – doch interessierte Schüler finden immer öfter den Weg an ihnen vorbei. Das Schülerlabor, das BASF schon ab dem dritten Schuljahr eingerichtet hat, ist auf Jahre hinaus ausgebucht. Auch die Hochschulabsolventen der letzten Jahre seien in der Mehrzahl „gute, engagierte, interessierte junge Leute“, finden die Konzernherren. Die „Lange Nacht der Wissenschaften“, die nun wieder in mehreren Städten stattfindet, zeigt auch bei „ganz normalen Leuten“ echte Entdeckerfreude – unbekümmert darum, ob durch neue Erkenntnisse auch liebgewordene Gewißheiten ins Wanken geraten könnten.

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