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Meinungsfreiheit: Richard David Precht: Unter Druck

Meinungsfreiheit: Richard David Precht: Unter Druck

Meinungsfreiheit: Richard David Precht: Unter Druck

Philosoph, Publizist, Medienkritiker Richard David Precht
Philosoph, Publizist, Medienkritiker Richard David Precht
Kritiker Precht: Kämpfer für die Meinungsfreiheit oder Opportunist? Foto: Imago / APress
Meinungsfreiheit
 

Richard David Precht: Unter Druck

Der ehemals linke Vorzeigeintellektuelle Richard David Precht erlebt immer stärker, was früher nur Konservative erfahren mußten – immer härter stößt er an die Grenze der gewährten Meinungsfreiheit.
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Kämpfer für die Meinungsfreiheit oder Opportunist? Einerseits ein Produkt des Mainstreams, ist der Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht zugleich auch dessen Kritiker. Auch er wird mittlerweile diffamiert und gecancelt – und ist trotzdem immer noch Teil der öffentlich-rechtlichen Blase mit enormer Reichweite. Wie konnte ihm dieses Kunststück gelingen? 

Geboren 1964 in Solingen, wuchs er in einem linksalternativen Umfeld auf, welches vom Widerstand gegen den Vietnamkrieg geprägt war. Precht studierte unter anderem Philosophie in Köln und wurde in diesem Fach 1994 promoviert. Danach war er für verschiedene Zeitschriften sowie den WDR publizistisch tätig. 

Precht: Posterboy des linksliberalen Juste milieus

Sein Durchbruch gelang ihm 2007 mit dem Philosophiebuch „Wer bin ich – und wenn ja wie viele?“, das mehr als vier Jahre auf der Spiegel-Bestsellerliste vertreten war. Eloquent, charismatisch, die obersten Knöpfe seiner enganliegenden Hemden stets leger geöffnet, folgten weitere Verkaufserfolge über die Liebe sowie eine neue Tierethik, die ihn endgültig zum Posterboy des linksliberalen Juste milieus machten. Einem Millionenpublikum ist er durch seine seit 2012 im ZDF ausgestrahlte Philosophiesendung „Precht“ bekannt. 

Der erste nennenswerte Gegenwind erhob sich im Oktober 2021, als er sich bei Markus Lanz gegen die Corona-Impfplicht für Kinder aussprach. Sofort wurde er als „Querdenker“ markiert. Im Juni 2022 unterzeichnete er zusammen mit anderen Intellektuellen die Erklärung „Waffenstillstand jetzt!“, die zu Verhandlungen zur Beendigung des Ukrainekrieges aufrief, was ihn in den Augen vieler zu einem „Putinknecht“ machte.

Persönliche Konsequenzen erfuhr er schließlich nach einer im ZDF-Podcast „Lanz und Precht“ im Oktober 2023 getätigten flapsigen Aussage, orthodoxen Juden sei Arbeit verboten, „ein paar Sachen wie Diamantenhandel und ein paar Finanzgeschäfte ausgenommen“. Dem reflexhaft ertönenden Antisemitismusvorwurf folgte der Verlust seiner Honorarprofessur an der Leuphana Universität Lüneburg, die er seit 2011 innehatte. 

Diffamierungstrias Querdenker-Putinknecht-Antisemit

Die Diffamierungstrias aus Querdenker-Putinknecht-Antisemit haben in den vergangenen Jahren Millionen Deutsche erfahren. Stellvertretend für alle Betroffenen hat Precht seine Analyse der Grenzen der Freiheit der Rede in seinem neuen Buch „Angststillstand. Warum die Meinungsfreiheit schwindet“ formuliert. Ihre Eingrenzung, so Precht, fange nicht erst bei Zensur an, sondern bei der Selbstzensur.

Wir alle seien sensibler geworden und daher schneller persönlich beleidigt, was dazu führe, im Andersdenkenden einen Feind zu sehen. Aus Angst, Falsches zu sagen und sozial beziehungsweise beruflich kaltgestellt zu werden, dominiere daher heute das Schweigen der Mehrheit. 



Als Denker verbindet Precht intellektuelle Substanz mit rhetorischer Klasse sowie einem forschen Selbstbewußtsein. Dabei kritisiert er das sich anbahnende totalitäre Meinungsklima in einer Deutlichkeit, die bei den öffentlich-rechtlichen Medien einmalig ist. Doch da er dies erst tut, seitdem er selbst ins Visier der Tugendwächter geraten ist, unterstellen ihm viele Opportunismus. Was auch immer sein Antrieb sein mag, ist er eine Stimme, die Gewicht hat und milieuübergreifend gehört wird. Es bleibt die Frage, wie lange ihn das ZDF noch gewähren läßt. 

Aus der JF-Ausgabe 5/26.

Kritiker Precht: Kämpfer für die Meinungsfreiheit oder Opportunist? Foto: Imago / APress
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