BERLIN. In seiner Amtszeit als Klima-Staatssekretär setzte Patrick Graichen durch, den Deutschen langfristig das Heizen mit Gas zu verbieten: Bei jedem Heizungsaustausch muß künftig eine Wärmepumpe die alte Therme ersetzen. Das Gesetz gilt bis heute. Doch nun gibt der Grüne vor, sich um die Gasversorgung der Deutschen zu sorgen.
In einem neu eingerichteten Blog, mit dem er sich wieder in die deutsche Energie-Debatte einmischen will, kritisiert er die historischen Tiefstände der deutschen Gasreserven. Und er präsentiert einen spektakulären Ausweg, mit dem Abhilfe geschaffen werden soll: nicht mit dem Auffüllen der Speicher, sondern mit einer nationalen „strategischen“ Gasreserve. Diese solle schon „für den nächsten Winter“ nicht in Deutschland, sondern im Kriegsland Ukraine entstehen.
Bezahlen sollen die nicht näher bezifferten Kosten die Deutschen – und zwar „über eine Umlage auf die Kunden“. In Deutschland und den vorhandenen Gasspeichern wäre nicht genug Platz für eine solche Reserve, meint Graichen: „Der Blick müßte insofern (auch) ins europäische Ausland gehen und, siehe da, es gibt große leere und ungenutzte Gasspeicherkapazitäten, und zwar in der Ukraine*“, schreibt Graichen.
Graichen jetzt Aufsichtsrat in der Ukraine
Das leicht zu übersehende Sternchen vor den Abführungszeichen löst er dann erst am Ende des mehr als 2.000 Wörter umfassenden Textes auf: „P.S. Transparenzhinweis zu *: Ich bin Mitglied im Aufsichtsrat des ukrainischen Stromnetzbetreibers Ukrenergo und auch deshalb in Sachen Ukraine nicht unvoreingenommen.“
Mit anderen Worten: Graichen arbeitet nun als ukrainischer Energie-Lobbyist und will den Deutschen die Reserve eines fossilen Brennstoffs aufdrängen, den er bisher verdammt hat. Eigenheim-Besitzer zwingt sein Gesetz zur „kalten Enteignung“. Denn viele werden die horrenden Umbau- und Dämm-Maßnahmen nicht bezahlen können, die mit dem Einbau einer Wärmepumpe verbunden sind.
Graichen fordert nun, Deutschland müsse beim Gas unabhängiger von den USA oder zuvor Rußland werden. Den eklatanten Widerspruch, daß eine solche Reserve in einem Nicht-EU-Land wie der Ukraine entstehen soll und damit neue Abhängigkeiten schaffen würde, versucht er gar nicht auszuräumen.

Stattdessen vermengt er den Vorschlag mit der Ukraine-Solidarität Deutschlands: „Ja, es wäre ein mutiger Schritt, für die Reserve auch ukrainische Gasspeicher zu nutzen“, schreibt er, „aber gleichzeitig auch ein sehr klares Signal an Rußland und die USA, daß Deutschland und die EU es ernst meinen mit der Verteidigung der Ukraine“. (fh)





