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Rathaus von Olching: Foto: Bürgermeister sucht Wohnungen für Moria-Migranten
Rathaus von Olching: Foto: Bürgermeister sucht Wohnungen für Moria-Migranten wikimedia.org/Guido Radig/CC

Oberbayern
 

Aufruf von Bürgermeister: Wohnungen für Moria-Migranten bereitstellen

OLCHING. Die oberbayerische Stadt Olching hat Immobilienbesitzer dazu aufgerufen, ihre Wohnungen für Moria-Migranten bereitzustellen. „Da wir leider selbst keinen Wohnraum anbieten können, sind wir darauf angewiesen, daß Olchinger, die Wohnraum besitzen, diesen zur Verfügung stellen. Ich hoffe sehr, daß wir auf diese Weise immerhin ein paar wenigen Menschen eine neue, sichere Heimat bieten können“, zitierte der Merkur Bürgermeister Andreas Magg (SPD).

„Wenn wir drei oder vier Familien aufnehmen, würde das in Olching mit seinen 30.000 Einwohnern überhaupt nicht auffallen. Aber es wäre ein schönes Zeichen der Humanität und Solidarität“, ergänzte Magg. Die Migranten aus den griechischen Lagern könnten nicht in Unterkünften der oberbayerischen Regierung untergebracht werden, da sie nicht über reguläre Asylverfahren nach Deutschland kämen.

„Helferkreis Asyl Olching“ verweist auf Aufnahme von Heimatvertriebenen

Zu der Initiative aufgerufen hatte der „Helferkreis Asyl Olching“. Dieser kritisierte den Beschluß der Bundesregierung, bis zu 3.000 Moria-Migranten aufzunehmen, als zu schwach. „Das ist beschämend für ein Land mit 80 Millionen Einwohnern.“ Die Einwanderungsbefürworter hoffen darauf, daß mehr Asylsuchende eingeflogen werden, wenn aus den Kommunen entsprechende Bereitschaft signalisiert wird. Andere Gemeinden hätten dies bereits getan, weshalb auch die Olchinger „Solidarität mit den Geflüchteten“ zeigen sollten.

Der „Helferkreis“ argumentierte unter anderem mit der „langen und gelebten Tradition in der Aufnahme von Flüchtlingen“ der oberbayerischen Stadt. 1950 seien in Olching bei rund 7.800 Einwohnern mehr als 1.400 Heimatvertriebene registriert worden. Seit 2013 habe die Stadt nun mehr als eintausend „Geflüchtete“ untergebracht und betreut. Darauf könne man stolz sein.

Migranten verschärfen Druck auf Wohnungsmarkt

Die Unterbringung von Migranten in Wohnungen führte vor allem in Städten seit 2015 zu mehr Druck auf dem Immobilienmarkt. Die schleswig-holsteinische Stadt Rendsburg hatte Anfang des vergangenen Jahres deshalb den Landkreis dazu aufgefordert, der Stadt weniger Flüchtlinge zuzuteilen. Laut Stadtverwaltung habe der Nachzug von Familienangehörigen den Wohnraum verknappt.

Der Immobilienkonzern Vonovia hatte 2019 geschätzt, daß mittlerweile jeder zehnte Neumieter ein Asylsuchender sei. „In den letzten beiden Jahren haben wir rund zehn Prozent der frei werdenden Wohnungen an Menschen aus Syrien, Afghanistan und aus dem Irak vermietet.“ Dies zeige „exemplarisch, wie unmittelbar wir mit dem Thema Migration verbunden sind“.

Beherbergen private Vermieter Personen, die über einen Asyl- oder Schutzstatus verfügen, kommen in der Regel die Sozialämter oder Kommunen für die Kosten auf. In Berlin etwa hatte sich nach der Flüchtlingswelle von 2015 ein Markt rund um die Unterbringung von Migranten gebildet. Vermieter erhielten für die Bereitstellung von Zimmern bis zu 3.500 Euro im Monat. (ls)

Rathaus von Olching: Foto: Bürgermeister sucht Wohnungen für Moria-Migranten wikimedia.org/Guido Radig/CC
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